Drei Tage in Folge mit Mario Basler abhängen? Für manche eine Art inoffizielles Fußball-Fan-Casting, für andere wahrscheinlich eher eine sportliche Geduldsprobe. Basler, Fußballikone mit dem berüchtigten rechten Fuß und noch berüchtigteren Sprüchen, ist eben ein echter polarisierender Typ. SWR-Sportjournalistin Katharina Reckers hat sich trotzdem getraut und den Provokateur, Entertainer und (manchmal) Nachdenklichen drei Tage lang begleitet, um zu erfahren, was wirklich hinter dem gepflegten Pokerface steckt. Der Podcast „Mario Basler – Letzter Typ“ läuft jetzt auf der ARD Audiothek und überall dort, wo Podcasts aus Lautsprechern dröhnen.
Das Offensichtliche vorweg: Basler ist für viele der Inbegriff des Enfant terrible. Zwischen kultigen Abenden auf dem Platz und mehr oder weniger legendären Auftritten abseits davon – Stichwort Kneipe und Bühnenprogramm – bleibt seine Rolle als Sprücheklopfer unvergessen. Im Podcast erinnert er sich an alte Zeiten, genauso aber auch an Versäumnisse und Brüche: Familiäres, Verpasste Chancen, Verletzungen und andere Rückschläge – Reckers will wissen, wie viel echter Mensch in der Show steckt. Und sie spricht neben Basler auch mit Leuten wie Markus Babbel, Otto Rehhagel oder seiner Partnerin Doris Büld, um verschiedene Blickwinkel einzufangen.
Typen wie Basler, die sich über Konventionen hinwegsetzen, sind Thema der Reihe. Gerade weil er mit Aussagen wie „Frauen können dir kein Abseits erklären“ für Ärger sorgt, bleibt er eine Reizfigur – und trotzdem (oder deshalb?) ein gefragter Talkshow-Stammgast. Basler pflegt bewusst dieses Image des Unangepassten, gibt offen zu, dass es ihn keineswegs stört, wenn Klischees über ihn kursieren. Im Gegenteil: Er scheint dieses Außenseitertum zu genießen. Letztlich zieht der Podcast Bilanz: Brauchen wir solche „Typen“ heute überhaupt noch – oder ist das längst ein überholtes Modell?
Wer zwischendrin übrigens Bilder sehen will: Einfach auf ARD-Foto.de vorbeischauen. Weitere Infos und Kontakt für Neugierige gibt’s unter swr.li/mario-basler-letzter-typ. Und wer tatsächlich bis hierhin gelesen hat: Die Kontaktdaten für Pressearbeit sind auch noch gut versteckt im Original.
Der Podcast „Mario Basler – Letzter Typ“ widmet sich nicht nur den berüchtigten Eskapaden und dem schillernden Image Baslers, sondern wagt auch einen Blick hinter die Fassade des Ex-Profis. Die Gespräche mit Wegbegleitern, ehemaligen Trainern und seiner Partnerin zeichnen das Bild eines ambivalenten Charakters, für den Provokation und Verletzlichkeit nah beieinanderliegen. Passend zur aktuellen Diskussion um Authentizität und Diversität in der Sportberichterstattung wird Basler als „letzter Typ“ inszeniert – ein Überbleibsel einer Fußballwelt, in der Ecken und Kanten gefeiert wurden, zugleich aber auch Problematiken wie Homophobie, Sexismus und Suchtverhalten zu wenig Beachtung fanden. Die Pressestimmen der letzten Tage zeigen, dass der Podcast auf Resonanz stößt: Spiegel Online hebt hervor, dass Basler selbst fünf Jahre nach der Profikarriere Gesprächsstoff bietet – manchmal aus den falschen Gründen. Die taz vergleicht Basler mit anderen „Typen“ im deutschen Fußball und fragt sich, ob solche Figuren als Identifikationsfiguren noch zeitgemäß sind. FAZ kritisiert, dass Basler zwar unterhaltsam sei, aber die Grenze zwischen Provokation und Respektvorsprüngen oft überschreite. Die Diskussion, ob man solche polarisierenden Persönlichkeiten heute noch braucht, setzt sich über die Sportberichterstattung hinaus fort; sie spiegelt auch gesellschaftliche Tendenzen zu individueller Sichtbarkeit versus sozialer Verantwortung wider.