Kurz vor dem Gipfeltreffen der G7-Staaten in Évian-les-Bains ließ Friedrich Merz in Berlin durchblicken, dass Deutschland bereit wäre, sich im Verbund mit anderen für sichere Schifffahrtswege in der Straße von Hormus einzusetzen – sofern die Bedingungen passen, die jedoch bislang unklar geblieben sind. Diese Bedingungen? Darüber schwieg Merz und wich Fragen elegant aus. Stattdessen betonte er den engen Schulterschluss mit den USA und Präsident Trump sowie den europäischen Partnern, auf deren Dialog man in Évian bauen wolle. Auch der Ukraine-Krieg werde ein dominierendes Thema im Gespräch mit Trump spielen. Das alles, so Merz, sei eingebettet in eine weltwirtschaftliche Lage, die gelinde gesagt fragil bleibt. Neben geopolitischen Brandherden stehen somit auch Themen wie stabile Handelsbeziehungen, Zugang zu wichtigen Rohstoffen und widerstandsfähige Lieferketten auf der Agenda – man ahnt, dass hinter den Kulissen eine Menge Unsicherheiten mitschwingen. Tatsächlich klingt vieles noch nach Absichtserklärung, weniger nach festgezurrtem Plan – und die große Frage bleibt: Was würde bei einem deutschen Engagement tatsächlich auf dem Spiel stehen? Einfache Antworten gibt es keine. Aber vielleicht liegt gerade darin die Essenz dieser Tage: Es bleibt kompliziert.
Friedrich Merz hat in Berlin angedeutet, dass Deutschland mit seinen Partnern über eine mögliche Beteiligung an einer Mission zur Sicherung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus nachdenkt. Details zu Bedingungen und dem Format eines solchen Einsatzes nannte Merz bislang nicht. Beim G7-Gipfel in Évian wird nicht nur dieses Thema, sondern auch der Ukraine-Krieg, der Zustand der Weltwirtschaft sowie die Resilienz von Lieferketten und Handelsbeziehungen diskutiert.
In den letzten Stunden gab es neue Entwicklungen: Die Debatte um eine europäische Schutzmission im Persischen Golf ist wieder entfacht, weil es zu mehreren Angriffen auf Handelsschiffe kam. Während Frankreich und Großbritannien bereits Marinekräfte in der Region haben, zögert Berlin wegen verfassungsrechtlicher Hürden und politischer Vorbehalte noch – eine Entscheidung soll jedoch laut mehreren Quellen bald fallen. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit in der Region hoch, vor allem im Hinblick auf mögliche Reaktionen des Iran und die strategischen Interessen der USA, was eine rasche Einigung im deutschen Regierungslager erschwert.