Wer sich in Deutschland auf Wohnungssuche begibt, bekommt schnell das Gefühl, ganz egal wo – alles ist unbezahlbar. Die nackten Zahlen entlarven das aber als einen pauschalen Irrglauben, jedenfalls abseits von München, Berlin und Co. Eine frische Auswertung von ImmoScout24 bringt ans Licht: In 37 von 71 untersuchten Großstädten mit mindestens 100.000 Einwohner:innen zahlt man für Bestandswohnungen im Schnitt noch weniger als 10 Euro Miete pro Quadratmeter. Klingt fast wie aus einer anderen Zeit, wenn man in Hamburg oder Frankfurt nach Wohnraum sucht.
Und ein paar Orte stechen noch mehr hervor: In 15 Städten, darunter Chemnitz (6,27 €/qm), Salzgitter (7,15 €/qm) oder Gelsenkirchen (7,25 €/qm), liegt der Mietpreis sogar unter 8,50 Euro pro Quadratmeter. Besonders Nordrhein-Westfalen ist mit etlichen günstigen Städten vertreten – alte Industriestandorte, die wohl selten auf den Titelseiten landen, aber immer noch erschwinglich sind. Auch im Osten bleibt mancherorts der Euro locker, etwa in Magdeburg und Halle (Saale).
Der Vergleich schockiert fast, wenn man das Mittel der acht großen Metropolen dagegenhält: Dort zahlt man satte 13,95 Euro pro Quadratmeter. Aber, und das lässt sich nicht wegreden: Unter zehn Euro bleibt die Mehrzahl der betrachteten Städte – sogar Leipzig als einzige Metropole schafft es mit 8,90 Euro auf die Liste. Am Rande bemerkt: Wer’s genau wissen will, schaut am besten selbst auf die ausführliche Tabelle bei ImmoScout24, denn so schnell kann sich der Markt auch wieder wenden. Interessant ist auch die Methodik: Die Preise beziehen sich auf Wohnungen, die mindestens drei Jahre alt und im ersten Quartal 2026 angeboten wurden – gerechnet immer auf 70 Quadratmeter.
Eine kurze Randbemerkung, nicht ganz ohne Ironie: Die Illusion des Wohntraums in der hippen Metropole ist teuer erkauft. Warum reden wir eigentlich so selten über Zuzug nach Salzgitter oder Herne? Vielleicht wird sich das ändern, wenn der Miet-Spagat in Deutschland weiter auseinandergeht.
Viele deutsche Großstädte sind preislich noch deutlich unter dem Niveau der großen Metropolregionen. Besonders in ehemaligen Industriezentren West- und Ostdeutschlands zeigt sich das Mietniveau moderat, wobei Chemnitz, Salzgitter und Gelsenkirchen ganz vorne liegen. Dennoch bleibt der Wohnungsmangel ein Problem, denn trotz günstiger Mieten ziehen vor allem Menschen weiterhin in die teureren Städte, wo das Angebot knapper ist und der Konkurrenzdruck dabei steigt.
Aktuelle Berichte von Taz, Süddeutsche und Zeit weisen auf wachsende soziale Spannungen in Großstädten durch das Mietpreisgefälle hin. Insbesondere diskutiert wird dabei die Rolle von Stadtentwicklung, Digitalisierung und staatlichen Fördermaßnahmen, um die Spaltung zwischen teuren und günstigen Städten abzufedern.
Erwähnenswert ist zudem, dass sich die Angebotsmieten leicht nach oben bewegen – die Preisentwicklung bleibt ungewiss, da Faktoren wie Energiepreise, Baukosten und Migration eine große Rolle spielen. Ebenso beleuchten jüngste Artikel auf den genannten Webseiten neue politische Initiativen für Mietregulierung, Wohnungsbau und Mieterschutz, deren Wirksamkeit allerdings umstritten bleibt.