Reinhard Möseneder ist überzeugt: „Der ORF soll nicht bloß senden, sondern vor allem zuhören.“ Ein Satz, den man doppelt unterstreichen mag in einer Zeit, in der Medienhäuser oft vor allem mit sich selbst beschäftigt sind. „Das Programm sollte Österreich nicht nur abbilden, sondern tatsächlich zusammenbringen“, sagt Möseneder weiter und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Der langjährig international tätige Manager, Marketing-Stratege und Kopf hinter verschiedenen Markenentwicklungen – etwa als Geschäftsführer bei Colgate-Palmolive Schweiz-Österreich oder Peeroton in Österreich – ist fest entschlossen, den ORF neu zu erfinden statt ihn nur zu renovieren. Ganz nach dem Leitspruch seiner Initiative „ORF 2035 – Vertrauen. Innovation. Miteinander.“ skizziert er die Eckpfeiler einer Neuausrichtung, die er als Überzeugungstäter auch selbst leben will.
Was möseneder auszeichnet: eine ungewöhnliche Kombination aus globalem Managementbaukasten – von Henkel über Schwarzkopf bis P&G – gepaart mit echter Heimaterdung. Was in Bewerbungsschreiben meist nur Floskel ist, füllt er mit Substanz: Strategie und Umsetzung, Innovation und die Fähigkeit, sich auch mal dreckige Hände zu holen in der Praxis. Beispiel gefällig? Mit Peeroton hat er eine Marke im heimischen Sportnahrungsmarkt nachhaltig etabliert und die Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Olympischen Comité intensiviert.
Der ORF steht, so sieht er es, an einem echten Wendepunkt. Streamingflut, Künstliche Intelligenz, Social-Media-Kanäle und mächtige, internationale Plattformanbieter stellen alles auf den Kopf, was klassisches öffentlich-rechtliches Fernsehen je war. Für Möseneder ist klar: Die Lösung ist kein kurzfristiges Drehen an Programm- oder Gebühren-Schrauben, sondern ein Kulturwandel – mit Fokus auf digitale Innovation, solide Finanzierung und gesellschaftlichen Mehrwert.
Seine Schwerpunkte? Ausbau digitaler und regionaler Angebote, Community-Formate, bessere Ansprache junger Menschen, transparente Strukturen und wirtschaftliche Resilienz. Vor allem aber will er den ORF als gesellschaftlichen Kitt denken, nicht nur als Sender. In jedem Interview, jedem Konzeptpapier klingt das durch: Vertrauen erwächst nicht aus Formalien, sondern aus spürbarer Relevanz, Nähe und Glaubwürdigkeit.
„2035 steht für ein anspruchsvolles Transformationsziel: nicht von Quartal zu Quartal denken, sondern in Generationen. Wenn wir das Wissen der Redaktionen, Technik, Verwaltung etc. sinnvoll verknüpfen, können wir echten Mehrwert für das ganze Land schaffen.“ – solche Sätze vermitteln tatsächlich eine andere Haltung als die übliche Reformrhetorik. Kurz gesagt: Möseneder steht für einen ORF, der weiterhin öffentliches Gut bleibt, weil er die Gesellschaft im Innersten zusammenhält.
Reinhard Möseneder strebt mit seinem Programm „ORF 2035“ eine nachhaltige, innovative und gesellschaftlich fest verankerte Ausrichtung für den Österreichischen Rundfunk an. Im Zentrum stehen die große Zukunftsfrage nach Relevanz, Unabhängigkeit und digitaler Transformation sowie die klare Orientierung an den Bedürfnissen der österreichischen Gesellschaft – besonders junger Zielgruppen. Die Bewerberlage um die Generaldirektion wird gerade österreichweit diskutiert, während der ORF als Teil der demokratischen Infrastruktur vor der Herausforderung steht, sich gegen internationale Konkurrenz und Algorithmenriesen zu behaupten.\n\nAktuelle Recherchen unterstreichen die Brisanz: Der ORF steht aktuell inmitten einer Debatte um sein künftiges Finanzierungsmodell und den Einfluss politischer Akteure auf seinen Kurs. In österreichischen Medien wird besonders die nötige Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks herausgestellt, um im Wettbewerb mit Streaming-Plattformen und KI-generierten News konkurrenzfähig zu bleiben. Auch die jüngsten Diskussionen um Transparenz und journalistische Unabhängigkeit – zuletzt befeuert durch parteipolitische Einmischungen und die geplante Neugestaltung der ORF-Gebühr – zeigen, dass Möseneders Ansatz für einen zukunftsfesten, mitarbeiterorientierten Wandel auf großen Bedarf trifft, aber sicher auch Hürden vor sich hat.