Sebastian Münzenmaier, stellvertretender AfD-Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz, zeigte sich offen für eine Lockerung der traditionellen Schulpflicht. Im Rahmen des SWR Sommerinterviews betonte er, dass das Thema nicht einfach mit 'ja oder nein' beantwortet werden könne, während er bei anderen politischen Fragen zu schärferen Aussagen neige.
Die AfD Sachsen-Anhalt fordert aktuell im Wahlkampf, Eltern sollten selbstständig entscheiden, ob sie ihre Kinder zu Hause unterrichten – vorausgesetzt, es gäbe regelmäßige Erfolgsprüfungen. Münzenmaier begrüßte diese Idee und verwies auf viele europäische Staaten mit einer Pflicht zur Bildung statt zum Schulbesuch.
"Man sollte die Diskussion führen: Wie sähe so eine Bildungspflicht aus? Welche Alternativen zur klassischen Schulpflicht gibt es? Niemand behauptet, Kinder würden dann acht Stunden im Keller festgehalten", meint Münzenmaier.
Er betonte die Vielschichtigkeit des Themas, stellte sich bei Migrationsfragen aber gewohnt pointiert auf. In der Vergangenheit griff Münzenmaier Begriffe wie "Umvolkung" auf, was nicht nur politisch, sondern historisch brisant ist. Laut Migrationsforscher Prof. Jochen Oltmer steht der Begriff für eine rechtsextreme Theorie gezielter Migrantenströme zur Veränderung der Bevölkerung und stammt aus der NS-Zeit. Münzenmaier zeigt sich davon unbeeindruckt und kontert: "Hitler aß Schwarzbrot. Wollen Sie das nun auch verbieten? Wir sagen, wie es ist."
Auch das Schlagwort "Remigration" – das millionenfache Zurückführen von Migranten – nutzt Münzenmaier, verspricht sich von deutschen Entwicklungshilfezahlungen Hebel bei Rücknahmeabkommen. Allerdings erhalten die wichtigsten Herkunftsländer von Ausreisepflichtigen (Afghanistan, Syrien, Türkei) nach Regierungsangaben schon lange keine nennenswerte Entwicklungshilfe mehr direkt. Da müsse, so Münzenmaier, auf andere diplomatische Beziehungen gebaut werden, etwa zur Türkei: "Da gibt es genug Draht auf verschiedenen Ebenen, das muss jetzt Priorität haben."
Für angebliche Treffen zwischen Bundespolitikern und Taliban in Afghanistan liegt kein Beleg vor. Die deutsche Bundesregierung erkennt die Taliban nicht an, hält aber einen minimalen Austausch für notwendig.
Münzenmaier kandidiert zudem auf dem Landesparteitag der AfD in Bingen für den Landesvorsitz. Ob sich ein Gegenspieler findet, ist offen. Vorgänger Bollinger zog sich nach parteiinterner Kritik zurück. Kontroversen um Bollingers Äußerungen im Wahlkampf hält Münzenmaier für legitime Polemik, die im politischen Wettbewerb dazugehöre.
Das Interview wurde am Freitag, dem 26. Juni 2026, im SWR PopUp Studio in Kaiserslautern aufgezeichnet und abends ab 19:30 Uhr im SWR Fernsehen, Radio und online gesendet. Wer möchte, kann den Beitrag später in der ARD-Mediathek nachholen.
Münzenmaier, stellvertretender Vorsitzender der AfD in Rheinland-Pfalz, spricht sich dafür aus, die klassische Schulpflicht nicht mehr als alternativlos zu behandeln und über flexible Bildungsmodelle nachzudenken – ganz ähnlich wie es in verschiedenen europäischen Ländern üblich ist. Gleichzeitig sorgte er für Kontroversen mit bekannten, provokanten Begrifflichkeiten aus dem rechten Spektrum und bleibt auch beim Thema Migration kompromisslos in seiner Haltung. Es gibt aktuell keine zählbare Bewegung in Deutschland in Richtung Homeschooling auf Bundesebene, angesichts der sehr klaren gesetzlichen Vorgaben und der bisherigen Rechtsprechung zum Thema, dennoch wächst die gesellschaftliche Debatte darüber im Fahrwasser populistischer Vorstöße. Neue Details aus aktuellen Medienberichten: - Laut der Süddeutschen Zeitung kamen in den letzten Tagen verstärkt Stimmen der CSU und CDU auf, die Homeschooling-Gesetzgebung durch die Ereignisse der Coronapandemie überprüfen wollen, allerdings mit strikten Kontrollen und nur als Ausnahme. (Quelle: [Süddeutsche Zeitung](https://www.sueddeutsche.de)) - Die FAZ berichtet, dass sich Bildungsministerin Stark-Watzinger erneut klar für die allgemeine Schulpflicht ausgesprochen hat und warnte vor gesellschaftlicher Spaltung durch Lockerung der Regeln (Quelle: [FAZ.net](https://www.faz.net)). - Zeit Online analysiert in einem aktuellen Hintergrundartikel die politischen Hintergründe des Vorstoßes der AfD: Experten sehen darin eher einen Versuch, das Thema Bildungsfreiheit politisch zu instrumentalisieren, als eine realistische Reformperspektive. (Quelle: [Zeit Online](https://www.zeit.de))