Nordrhein-Westfalens politische Landschaft bleibt in Bewegung. Die CDU unter Ministerpräsident Wüst würde aktuell auf 35 Prozent abrutschen (minus vier Punkte seit Juni 2025), auch die Grünen verlieren und landen bei 13 Prozent. Die SPD holt überraschend auf: Nach dem Rekordtief im Sommer schafft sie mit einem Plus von vier Prozentpunkten erstmals seit zwei Jahren die 20-Prozent-Hürde. Die AfD legt leicht zu, klettert auf 15 Prozent und lässt damit die Grünen hinter sich. Die Linke rangiert mit 6 Prozent knapp im Landtag – während die FDP mit 4 Prozent weiter auf wackeligem Boden steht. "Alle anderen" teilen sich 7 Prozent, aber daraus ergibt sich keine weitere Überraschung.
Was die Stimmung gegenüber der Landesregierung und Wüst selbst angeht: Die Werte sind ziemlich stabil – ungefähr die Hälfte ist jeweils zufrieden oder unzufrieden, wobei die Unzufriedenheit leicht zunimmt. Wüst selbst verliert als Ministerpräsident ein wenig Sympathie; die positiven Bewertungen schmelzen von 47 auf 45 Prozent ab.
Spannend ist der Newcomer bei der SPD: Jochen Ott, der designierte Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027. Nur jeder vierte Mensch in NRW kann ihn überhaupt einordnen. Unter den eigenen Parteianhängern fällt das Feedback klar besser aus, aber der Mann ist noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.
Woran hakt es im Land? Das Dauerthema Migration rutscht auf Platz eins, teilt sich aber die Spitze mit Infrastruktur und öffentlichem Nahverkehr – ein echtes Warnsignal. Bildung verliert an Brisanz, bleibt aber wichtig, während Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit neu in den Top-Fünf der drängendsten Probleme auftauchen. Sicherheit und Klimaschutz tauchen merklich weniger auf.
Ein Politikum ist die Teilzeit-Debatte, die der CDU-Wirtschaftsflügel losgetreten hat – 70 Prozent der Befragten möchten keine stärkere Beschränkung. Sogar bei der CDU selbst regt sich Widerstand.
Bleibt noch Olympia: Die Mehrheit in NRW steht hinter der Bewerbung – bei den unter 50-Jährigen sogar besonders klar, während die ältere Generation zurückhaltender ist.
Und der Kohleausstieg? Die Fronten sind verhärtet. Ein gutes Drittel will am Jahr 2030 festhalten, knapp ein Viertel wünscht sich die klassische Braunkohle auch nach 2033, dazwischen liegt eine starke Gruppe, die lieber noch bis 2033 warten würde. Interessant: Die Grünen-Anhänger drängen fast geschlossen aufs Ausstiegsdatum, die CDU-Anhängerschaft ist da gespalten.
Schließlich die Vision: NRW soll bis 2045 klimaneutral werden und Europas erste Industrieregion dieser Klasse werden. Rund die Hälfte sieht Chancen, vier von zehn wittern eher Gefahr für den Standort. Auch hier: Die Meinungen in den politischen Lagern klaffen weit auseinander.
Für den NRW-Trend wurden Ende Januar insgesamt 1.164 Wahlberechtigte befragt; die Methode war ein Mix aus Telefon und Online. Die üblichen Schwankungsbreiten gelten.
Der aktuelle NRW-Trend bescheinigt CDU und Grünen Einbußen, während die SPD ihr bisheriges Rekordtief überwinden konnte. Besonders auffällig ist, dass Infrastrukturprobleme – Straßen, ÖPNV, Verkehr – laut Umfrage erstmals genauso dringend erscheinen wie das Thema Migration, das in den letzten Jahren dominierte. Viele Befragte wünschen sich mehr Investitionen in Verkehr, Schulen und andere Bereiche, merken aber auch an, dass politische Blockaden und fehlende Mittel Fortschritt verzögern; bei anderen Parteien, etwa AfD oder FDP, bleibt das Problembewusstsein hingegen stärker wirtschaftlich oder migrationspolitisch fokussiert.
In den letzten Tagen wurden in den großen deutschen Medien mehrere Nachrichten zu NRW und bundesweiten Trends veröffentlicht: In der FAZ etwa wurde das Thema marode Brücken und Straßen als wirtschaftliches Risiko für ganz NRW diskutiert; im Spiegel erschien eine Analyse, wie steigende Energie- und Baukosten sowie langsame Planungsverfahren die dringend nötige Modernisierung der Infrastruktur zusätzlich erschweren und viele Kommunen an den Rand geraten lassen. Zusätzlich beleuchtete die Süddeutsche Zeitung aktuelle Meinungsumfragen, die auch bundesweit einen Anstieg der Sorgen um Wirtschaftsstandort und innere Sicherheit zeigen. Insgesamt verstärkt sich der Eindruck, dass Infrastruktur, bezahlbare Energie und gesellschaftlicher Zusammenhalt vermehrt politische Sprengkraft entwickeln – nicht nur in NRW.