Heidi Reichinnek nimmt kein Blatt vor den Mund: Aus ihrer Sicht wäre es Aufgabe der Bundesfamilienministerin, nicht nur zu reden, sondern konkret zu handeln – sich also entschiedener für mehr Mittel und kindgerechte Betreuungsangebote stark zu machen. Schon der bundesweite Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz sei ein Schritt gewesen, aber dabei dürfe es nicht bleiben. Es könne nicht sein, dass die Verantwortung für die Finanzierung ständig auf die Länder abgeschoben werde, meint Reichinnek im Gespräch mit der "Rheinischen Post". Karin Prien hingegen sprach im "Handelsblatt" eher allgemein von einem gesellschaftlichen Schulterschluss für Familienfreundlichkeit und erwähnte die fehlende Flexibilität in der Kinderbetreuung sowie bei den Arbeitgebern. Doch Reichinnek findet, dass politische Absichtserklärungen allein praktisch nichts verändern. Sie kritisiert, dass Prien lediglich auf gesellschaftliche Missstände hinweise, statt sie anzupacken – "das grenzt an Arbeitsverweigerung". Und sich auf weniger Kinder in den kommenden Jahren als Lösung des Problems zu verlassen, hält sie zudem für eine absurde Idee.
Die politische Debatte um bessere Arbeitschancen für Frauen konzentriert sich erneut auf die Schwachstellen im deutschen Betreuungssystem: Heidi Reichinnek fordert unmissverständlich, dass der Bund die Länder entlastet und die Qualität der Kita-Betreuung verbessert, damit Frauen ihre Erwerbsarbeit ausweiten können. Karin Prien spricht von einem gesellschaftlichen Bündnis, bleibt aber für viele zu vage und systematisch unverbindlich – was immer lauter kritisiert wird. Neuere Zahlen zeigen: Trotz Rechtsanspruchs fehlen bundesweit zehntausende Kitaplätze, viele Kommunen stemmen die Herausforderung nicht mehr allein, und die ohnehin angespannte Personalsituation in Kitas droht sich durch kommenden Generationswechsel und fehlende Investitionen weiter zu verschärfen. Es geht längst um mehr als Vereinbarkeit von Familie und Beruf – es ist ein gesellschaftliches Problem mit viel Zündstoff.