Es ist schon seltsam: Früher, zu Zeiten der Wehrpflicht, stand niemand stundenlang Schlange für eine Sicherheitsabfrage, jedenfalls nicht für alle. Heute aber, wo Deutschland wieder mehr Menschen in Uniform braucht – Sensburg spricht von Hunderttausenden –, drohen bürokratische Hürden. Der Chef des Reservistenverbands meint ziemlich unverblümt, dass ein Jahr oder noch länger für eine Überprüfung einfach zu viel sei. Man erkennt förmlich den Frust zwischen seinen Zeilen. Der Nachteil? Natürlich: Je gründlicher die Kontrolle, desto länger das Warten. Aber: Wer erinnert sich eigentlich noch daran, wie oft Sicherheitsüberprüfungen versagt haben? Ein echtes Dilemma.
Sensburg bleibt realistisch: Mit den aktuellen Wehrdienstregelungen dürfte das Ziel von über 460.000 Soldaten und Reservisten kaum zu schaffen sein. Gleichzeitig spricht er eine zweite, fast schon alte Leier an: Wer Wehrdienst macht, rückt automatisch in die Reserve auf. Doch reicht das wirklich? Sensburg zweifelt laut daran. In seinen Augen wäre ein ‚verpflichtendes Gesellschaftsjahr‘ für alle, nicht nur beim Bund, sondern etwa auch beim Katastrophenschutz oder THW, der bessere Weg. Kleiner Gedanke am Rande: Mehr Anreize für Arbeitgeber wären auch nicht verkehrt – viele Firmen tun sich nach wie vor schwer damit, ihre Mitarbeitenden für Militärübungen freizustellen.
Patrick Sensburg vom Reservistenverband kritisiert, dass die mitunter über ein Jahr dauernden Sicherheitsüberprüfungen für angehende Reservisten viel zu aufwendig und zeitintensiv seien. Er zieht Parallelen zur alten Wehrpflicht, bei der solche Hürden nicht bestanden, und fordert eine Debatte über schnellere oder pragmatischere Prüfverfahren. Hinzu kommt, dass Sensburg die ehrgeizigen Pläne der Bundesregierung – rund 460.000 Soldaten und Reservisten – angesichts der aktuellen Regularien für unrealistisch hält und stattdessen ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für sinnvoller erachtet.
Laut aktuellen Medienberichten steht Deutschland vor der Herausforderung, die Bundeswehr wieder personell aufzustocken – eine Konsequenz sicherheitspolitischer Veränderungen und des Krieges in der Ukraine. Auch aus Regierungskreisen ist zu hören, dass ohne zusätzliche Reformen im Wehrrecht, mehr Flexibilität für Arbeitgeber und vielleicht sogar einer Wiedereinführung der Wehrpflicht, die angestrebten Zahlen kaum erreichbar sind. Unterdessen gibt es auch Kritik von Menschenrechtsexperten, dass Sicherheitsüberprüfungen unverzichtbar seien, weil angesichts der wachsenden Bedrohung durch Rechtsextremismus innerhalb der Armee ein härterer Blick nötig sei.