Interessant: Röttgen will sich nicht mit dem für Europäer typischen Krisenmanagement zufriedengeben – diese "Schadenslenkerei" reiche, so seine Überzeugung, bei weitem nicht aus. Gerade jetzt sei die Zeit, ambitionierter zu sein: "Wir sollten nicht nur versuchen, Schlimmeres abzuwenden, sondern stattdessen gezielt Verbesserungen anstreben." Es ist, als wolle er seinen Kollegen zurufen, die Tage der Zurückhaltung seien vorbei. Außerdem – und das geht in der Diskussion oft unter – es brauche eine ehrliche Verständigung mit den USA, bei der sich beide Seiten, auch auf transatlantischer Bühne, auf Augenhöhe begegnen.
Mit einer gewissen Skepsis blickt er auf US-Außenminister Rubio. Röttgen glaubt nicht, dass dieser sich offen gegen Trump positionieren wird – zu sehr drehe sich alles darum, beim Ex-Präsidenten zu punkten. Man spürt: Die politische Bühne ähnelt manchmal eher einem Schachbrett als einem diplomatischen Salon.
Zugegeben, europapolitisch sieht Röttgen durchaus kleine Lichtblicke: In Fragen wie Grönland oder der Bereitschaft zu Gegenzöllen war Europa entschlossener als erwartet. Katastrophal, so Röttgen, bleibe hingegen der Umgang mit eingefrorenen russischen Guthaben. Positiv wertet er das wachsende Problembewusstsein in Europa, doch Unterschiede im Bedrohungsgefühl gegenüber Russland hemmen gemeinsames Handeln – ein altbekanntes Dilemma. Was das geplante Treffen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien angeht, ist Röttgen klar: Damit lässt sich die EU nicht ersetzen, aber Vorreiter braucht es eben, wenn breite Einigkeit fehlt.
Norbert Röttgen mahnt vor dem Start der Münchner Sicherheitskonferenz, Europa müsse in puncto Verteidigung sowie in wirtschaftlicher Hinsicht unabhängiger und engagierter werden. Dabei kritisiert er die bisher zögerliche Umsetzung gemeinsamer Beschlüsse und fordert insbesondere in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten eine proaktive Haltung statt bloßer Schadensbegrenzung. Seine Analyse ist, dass zwar einzelne Fortschritte etwa bei handelspolitischen Fragen sichtbar werden, aber ein tiefes, gemeinsames strategisches Verständnis – besonders im Umgang mit den USA und gegenüber Bedrohungen aus Russland – weiterhin fehle. In weiteren aktuellen Berichten zur europäischen Sicherheits- und Wirtschaftspolitik bestätigten zahlreiche Politiker und Experten – etwa laut der Süddeutschen Zeitung (https://www.sueddeutsche.de) – die Notwendigkeit einer engeren militärischen Zusammenarbeit angesichts des russischen Angriffskrieges und der angespannten Beziehungen zu den USA. Auch die FAZ (https://www.faz.net) betonte in einer Analyse, die wirtschaftliche Wettbewerbsposition Europas könne nur durch konsequente Investitionen in Innovation und Digitalisierung geschützt werden, und verwies auf die wachsenden Herausforderungen durch globale Konkurrenten wie China. Zudem berichtete die ZEIT (https://www.zeit.de) von Diskussionen auf der Sicherheitskonferenz über die Notwendigkeit, eingefrorene russische Vermögen offensiver einzusetzen, wobei unterschiedliche Ansichten zwischen EU-Staaten eine schnelle Lösung bisher verhindert hätten.