Laut einem Bericht im 'Spiegel' haben die beiden Vizevorsitzenden der Rentenkommission, Klose und Reddig, nicht nur an ihren bisherigen Positionen festgehalten, sondern diese auch überdacht und in wichtigen Punkten angepasst. Pascal Reddig räumt ein, dass ihn vor allem die Auseinandersetzung mit Altersarmut zum Umdenken brachte; speziell bei Selbstständigen sei das Risiko, im Ruhestand auf Grundsicherung angewiesen zu sein, auffällig hoch. Daher empfiehlt die Kommission nun, dass künftig alle neu gründenden Selbstständigen verpflichtend Mitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung werden – bisher hatte seine Partei, die Union, auf Freiwilligkeit gesetzt. Annika Klose hingegen hat beim Thema Kapitalrente einen Entwicklungsschritt vollzogen. Während sie anfangs lediglich die betriebliche Altersvorsorge stärken wollte, sieht sie inzwischen ein, dass das allein nicht reicht: Etwa die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geht leer aus, was Betriebsrenten angeht. Ihrer Ansicht nach ist es daher sinnvoll, die gesetzliche Rentenversicherung teilweise stärker über Kapitalmärkte abzusichern. Gerade für Geringverdiener eröffnet das neue Möglichkeiten. Die Kommission unterbreitete letzte Woche ihre Vorschläge für eine Rentenreform: Abschaffung der "Rente mit 63" sowie Einführung einer kapitalgedeckten Zusatzrente.
Sowohl SPD-Politikerin Klose als auch ihr CDU-Kollege Reddig mussten im Verlauf der Arbeit an der Rentenreform ihre zuvor klaren Standpunkte überdenken. Besonders das Thema Altersarmut unter Selbstständigen und die Lücken in der betrieblichen Altersvorsorge führten zu einer spürbaren Annäherung der Kommissionsmitglieder aneinander und an pragmatische Lösungen. Angesichts des demografischen Wandels und der finanziellen Schieflagen im Rentensystem ist den Vizechefs die Dringlichkeit tiefergehender Reformen klar geworden – so spricht sich die Kommission jetzt für eine Abschaffung der abschlagsfreien "Rente mit 63" und die Einführung kapitalgedeckter Rentenbestandteile aus. Darüber hinaus zeigen aktuelle Berichte aus verschiedenen Medien, dass sich die gesellschaftliche Debatte zur Rente gerade wieder intensiviert. Beispielsweise werden in der TAZ aktuelle Zweifel an der sozialen Gerechtigkeit der Reformpläne thematisiert, während die Süddeutsche auf mögliche Altersarmut durch kapitalgedeckte Rentenmodelle eingeht. Der Spiegel hebt außerdem die politischen Ränkespiele um die Vorschläge hervor. Auch Kritik an einer zu starken Fokussierung auf Kapitalmärkte kommt derzeit verstärkt auf – vor allem angesichts volatiler Börsen und wachsender Skepsis gegenüber privaten Vorsorgemodellen.