Russland setzt Oreschnik-Mittelstreckenrakete bei Angriffen auf Ukraine ein

Schwere nächtliche Angriffe – Neben bekannten Raketentypen setzt Russland erstmals die Oreschnik-Rakete gegen die Ukraine ein.

heute 11:38 Uhr | 2 mal gelesen

In der Nacht zu Sonntag bebte die Ukraine erneut unter einer schweren Angriffswelle aus Russland. Laut Angaben der Agentur Interfax, die sich auf offizielle Militärkreise in Moskau beruft, seien diesmal außer Iskander-, Kinschal- und Zirkon-Raketen auch Systeme der Sorte Oreschnik eingesetzt worden. Präsident Selenskyj warf Moskau schon im Vorfeld den Einsatz von Hochgeschwindigkeitsraketen vor. Die russische Seite erklärte, vorrangig militärische Ziele – wie Kommandozentralen, Flugplätze und Waffenfabriken – anzugreifen, während von ukrainischer Seite zivile Opfer und Schäden betont wurden. Die Zahlen schwanken etwas, doch ukrainische Behörden sprechen von mindestens 83 Verletzten und über 600 abgeschossenen Drohnen, zusammen mit rund 90 Raketen – viele davon auf die Hauptstadt Kiew gerichtet. Mindestens vier Todesopfer seien zu beklagen. Moskau rechtfertigte die nächtlichen Angriffe als Vergeltung für einen ukrainischen Drohnenvorstoß auf ein Studentenwohnheim im russisch kontrollierten Luhansk, bei dem – so russische Angaben – 18 Menschen starben. Das ukrainische Militär bestreitet jedoch eine Verantwortung für zivile Schäden und verweist auf gezielte Angriffe gegen militärisches Potenzial der russischen Besatzung. Der Oreschnik-Raketentyp ist besonders brisant: Diese Mittelstreckenraketen können sowohl mit klassischen als auch atomaren Sprengköpfen bestückt werden und waren nach dem INF-Vertrag (inzwischen außer Kraft) einst verboten. Man fragt sich unwillkürlich, ob diese neue Eskalationsstufe im Krieg einen weiteren Tabubruch bedeutet, zumal die genaue Zahl der eingesetzten Oreschnik-Raketen unklar blieb.

Während in der Ukraine der Schock über die jüngsten russischen Raketenangriffe noch nachhallt, zeigt sich eine erschreckende Dynamik: Mit dem erstmaligen Einsatz der Oreschnik-Rakete demonstriert Russland nicht nur technologische Vielfalt, sondern wohl auch Entschlossenheit zur Eskalation – politisch wie militärisch. Die Debatte, ob bei den Angriffen tatsächlich gezielt militärische Infrastrukturen oder doch zivile Objekte ins Visier genommen wurden, bleibt umstritten. Hinter den nüchternen Zahlen – Kiew spricht von Dutzenden Verletzten und mehreren Toten – stehen Menschenleben, aufgerissene Straßen und Fenster, die in Trümmern liegen. Neue Recherchen, unter anderem von SPIEGEL und ZEIT, bestätigen in Teilen die Angaben zu Raketen- und Drohneneinsätzen, wobei unklar ist, wie viele Oreschnik-Systeme tatsächlich dabei waren. Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie eng technische Innovation und völkerrechtliche Grauzonen im Krieg verwoben sind. Kritiker fürchten, dass die erneute Nutzung ehemals verbotener Waffenarten das Wettrüsten im europäischen Raum anheizt. Weitere Details: Die Oreschnik-Rakete gilt als schwer abzufangen und kann, ähnlich wie andere moderne russische Flugkörper, binnen Minuten große Distanzen überwinden – nicht nur im Testlabor, sondern mitten im urbanen Alltag. Auch westliche Experten blicken besorgt auf die immer schnelleren Einsatzzyklen neuer Waffen im Ukrainekrieg.

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