Rexers Neuinterpretation von „Der Geizige“ spielt pointiert mit der Ambivalenz zwischen materieller Sicherheit und menschlicher Sehnsucht. Die Verlagerung in die Nachkriegszeit gibt dem Motiv des Geizes eine gesellschaftliche Schärfe: Wie wenig die Egomanie des Einzelnen mit dem Wohl Aller zu tun hat – und wie rigoros Humor dabei helfen kann, diese Abgründe bloßzulegen. Nebenbei erleben Zuschauer einen liebevollen Klamauk, der bekannte Themen neu auflädt und reich an Zwischentönen ist. Aktuelle Ergänzungen: Der deutsche Theatersommer ist voll im Gange, und ähnlich wie in Hagenwil erleben Inszenierungen von Klassikern derzeit ein bemerkenswertes Revival. Ob in München, Berlin oder Dresden – zahlreiche Ensembles greifen zu Vergangenheitsstoffen und verknüpfen diese mit zeitgenössischen Fragestellungen, etwa zur Rolle von Familie, Kapital oder sozialen Aufstiegschancen. Interessant ist darüber hinaus, dass selbst scheinbar „kleine“ Produktionen, abseits der großen Metropolen, durch mutige Neuinterpretationen und ungewöhliche Locations (wie eben im Wasserschloss) neue Publikumsschichten gewinnen. Kritisch bleibt dabei der Punkt, wie weit man Vorlage und Moderne verschmelzen darf, ohne die Kernaussage zu verwässern. Noch gibt es da keine einfachen Antworten – manche Zuschauer wünschen sich mehr Freiheiten, andere weniger. Ein Garant für Gesprächsstoff ist das allemal.