Ich muss gestehen: Nach den Bildern, die Malte Zierden und Phia Quantius zusammen mit ANINOVA auf den Pelzfarmen in Finnland aufgenommen haben, bleibt einem schlicht nichts mehr zu sagen. "Dort, in diesen Käfigreihen, vergeht jedes Fünkchen Hoffnung", sagt Malte, der das Elend der Füchse und Marderhunde hautnah erleben musste. Er erzählt, die leeren Blicke dieser Tiere seien wie Narben, die nie mehr heilen. Phia Quantius, die früher als Model für Mode lief – also direkt auf der anderen Seite stand –, zeigt sich im Nachhinein tief getroffen: „Es ist absurd, dass Tiere immer noch für etwas wie Mode leiden müssen. Niemand, wirklich niemand braucht das.“
Das Team wagte sich bereits in der ersten Nacht im Schutz der Dunkelheit auf eine Farm, und wie sich herausstellte, war es eine, die sogar das Saga Furs-Gütesiegel trägt. Ironisch dabei: Gerade dieses internationale Unternehmen bewirbt Tierwohl, doch die Realität – kranke, überzüchtete Tiere in winzigen Drahtkäfigen, apathisch, verletzt – klafft davon weit auseinander. Trotz mittlerweile gängiger Siegel wie "WelFur" gibt es im Kern keine Garantie dafür, dass Grundbedürfnisse und Würde der Tiere geachtet werden. Auch das ist kein Erfolg der Mode.
Am nächsten Tag dokumentierte das Team bei Tageslicht das Gelände und entdeckte nicht nur einzelne Farmen, sondern eine wahre „Pelzstadt“: endlose Käfigbatterien, die sich über die Landschaft ziehen – ein erschlagender Anblick. Finnland zählt weiterhin zu den größten Playern im europäischen Pelzgeschäft: Laut jüngsten Angaben stammen allein im Vorjahr über 300.000 Fuchspelze sowie eine ähnliche Anzahl an Nerzfellen von hier, verteilt auf Hunderte Farmen.
Doch die Luft für die Pelzindustrie wird dünner. Die EU prüft derzeit die Bürgerinitiative "Fur Free Europe" und nach dem Beispiel Polens, das ab 2025 ein Pelzverbot umsetzt, könnte auch Finnland bald gezwungen sein, sich zu beugen. ANINOVA, Malte Zierden und Phia Quantius zeigen klipp und klar: Die Tarnung, Pelz könne irgendwie ethisch sein – sie bröckelt. Pelz muss endlich Geschichte werden.
Bemerkenswert ist auch: Viele kaufen, meist unwissentlich, echten Pelz – etwa als Accessoire. Oft wird echtes Fell als Kunstpelz verkauft, weil kaum jemand den Unterschied erkennt. Dies hält das Geschäft ebenso am Leben wie das eigentliche Interesse an „Luxus“. Letztlich lautet ihr Appell: Lasst die Finger von Pelz – in jeder Form.
Die finnische Pelzindustrie gerät durch die aktuelle Recherche von ANINOVA und den Aktivist:innen Malte Zierden und Phia Quantius erneut unter Druck. Trotz Labels wie Saga Furs und WelFur gelingt es der Branche offenbar nicht, grundlegende Missstände wie enge Käfige, Überzüchtung und fehlendes Tierwohl zu beseitigen – die Realität steht im krassen Widerspruch zur Werbe- und Zertifzierungssprache. Wie aktuelle Recherchen anderer Medien zeigen, intensiviert sich der öffentliche und politische Druck: So berichtet taz.de über internationale Proteste gegen das "WelFur"-System in Finnland, während das Handelsblatt die Auswirkungen der polnischen Gesetzgebung und deren Signalwirkung auf EU-Ebene analysiert (Vgl. taz.de, handelsblatt.com). Bereits im Jahr 2023 beschloss das polnische Parlament ein Verbot der Pelztierzucht, was europaweite Erwartungen an weitere Regulierungen, insbesondere nach Abschluss der laufenden Fur Free Europe-Initiative, anheizt. Zugleich machen Medien wie SPIEGEL und ZEIT in ihren aktuellen Kommentaren darauf aufmerksam, wie schwer es Verbraucher:innen nach wie vor fällt, Kunst- und Echtpelz voneinander zu unterscheiden. Parallel wächst in Finnland selbst die Kritik an der Pelzindustrie und der Politik, etwa durch Initiativen für regionale Ausstiegsprogramme, wie die Süddeutsche zuletzt berichtete. Bemerkenswert ist, dass der Diskurs in anderen europäischen Ländern und online oft ähnlich emotional wie faktenbasiert geführt wird; dadurch wird aber auch deutlich, wie zäh das Ringen um einen politischen und moralischen Konsens bleibt.