Schutz für Apothekenteams: Angriffe und Belästigungen nehmen zu

Berlin – Dass Apothekerinnen und Apotheker nicht nur rezeptpflichtige Medikamente aushändigen, sondern am Tresen oft auch die Sorgen der Menschen auffangen, ist Alltag. Doch die Kehrseite? Immer öfter werden Teams in Apotheken bedroht oder während Notdiensten belästigt – teilweise am Telefon. Nun hat das Bundesjustizministerium einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der Menschen, die sich fürs Gemeinwohl engagieren, besser vor solchen Übergriffen bewahren soll. Von Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer, kommt dazu deutliche Unterstützung – und ein klarer Appell an die Politik.

heute 16:56 Uhr | 5 mal gelesen

Was früher maximal als unfreundliche Begegnung an der Ladentheke begann, ist heute für viele Mitarbeitende im Apothekenalltag eine echte Belastung: Häufiger berichten Apothekenteams davon, dass sie verbal bedroht oder am Telefon während des Notdienstes sogar belästigt werden. Und, ja, manchmal geht das auch in Richtung sexuelle oder politisch motivierte Angriffe. Der bittere Witz an der Sache: Apotheken müssen im Notdienst immer telefonisch erreichbar sein. Täter wissen das und nutzen solche Situationen oft rücksichtslos aus. Schon 2022 stellte sich der Deutsche Apothekertag diesem Thema – ein Antrag aus Hamburg und Rheinland-Pfalz forderte ein dickeres Schutzschild für die Teams, vor allem gegen Übergriffe per Telefon im Notdienst. Bis dato klafften in der Strafverfolgung Lücken – viele Vorfälle blieben ungeahndet. Das hat nun die ABDA, also der große Verband der deutschen Apothekerinnen und Apotheker, erneut deutlich gemacht: In einer aktuellen Stellungnahme zur geplanten Gesetzesänderung fordert sie, dass Übergriffe und die Behinderung der Arbeit von Apothekenteams konsequent unter Strafe gestellt werden sollten. Die betroffenen Personen dürfen nicht länger riskieren, dass ihre hilfreiche Arbeit sie zur Zielscheibe macht. Mehr zur Stellungnahme und zu anderen Aktionen findet man übrigens auf der Webseite der ABDA. Kontaktmöglichkeiten für Medien gibt es natürlich auch, die offiziellen Pressesprecherinnen und -sprecher sind erreichbar, falls noch Fragen offen sind. Es bleibt der Eindruck: Unsere Apotheken sind mehr als nur Abgabestellen für Medikamente – sie sind Teil des sozialen Rückgrats. Ihnen endlich einen stärkeren Schutz zu bieten, wirkt lange überfällig.

Das Thema Sicherheit in Apotheken rückt zunehmend in den Fokus. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehen sich während der Notdienste immer häufiger mit Beschimpfungen, Anrufen mit beleidigendem Inhalt oder sogar mit sexueller Belästigung konfrontiert; das geht aus mehreren Berichten hervor. Die geplante Gesetzesänderung sieht nun vor, die Strafbarkeit für solche Übergriffe zu verschärfen und auch Handlungen, die die Berufsausübung stören, angemessen zu ahnden. Hierdurch hofft der Gesetzgeber, nicht nur die individuelle Belastung, sondern auch die Funktionsfähigkeit der Apotheken als Versorgungsstrukturen zu sichern. Ergänzend gibt es einen wachsenden öffentlichen Druck, psychosoziale Unterstützung für Apothekenteams auszubauen – ähnlich wie bei anderen Notfallberufen. Was auffällt: Gerade in ländlichen Gegenden, in denen Apotheken oft die letzte medizinische Anlaufstelle sind, nehmen die Belastungen besonders stark zu. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung – etwa durch Online-Rezepte – zwar viele Abläufe vereinfacht, den persönlichen Kontakt aber nicht ersetzt und den Bedarf nach sicherer Vor-Ort-Betreuung sogar verstärkt hat.

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