Schwankende Zeiten für die Futtermittelindustrie: Produktion leicht im Aufwind, doch Unsicherheiten bleiben

Die Lage am Mischfuttermarkt bleibt angespannt. Der Deutsche Verband Tiernahrung e.V. (DVT) blickt zwar auf steigende Produktionszahlen, doch geopolitische Verwerfungen und neue Regulierungslasten sorgen weiterhin für Kopfzerbrechen. Sicherheit in den Lieferketten und klare politische Rahmenbedingungen sind für die Branche heute wichtiger denn je.

heute 14:05 Uhr | 2 mal gelesen

Mischfutter – Aufwärtstrend mit Fragezeichen

Manchmal sind es gerade die kleinen Fortschritte, die nach Krisenjahren ein wenig Hoffnung nähren: Für 2025 meldet der DVT zum zweiten Jahr in Folge eine gestiegene Produktion – von 21,8 auf rund 22,5 Millionen Tonnen, also ein Plus von 2,9 Prozent. Besonders Rinderfutter fällt mit 6,7 Millionen Tonnen und einer deutlichen Steigerung auf, was irgendwie paradox wirkt, denn der Rinderbestand schrumpft weiter. Aber so sind die Märkte: Zahlen und Realitäten passen oft nur auf den ersten Blick zusammen. Das meiste Futter geht – ganz klassisch – nach wie vor an Schweine; Schweinefutter nimmt mit 8,4 Millionen Tonnen und 37 Prozent Anteil die Spitzenposition ein, trotz weniger Mastschweinen im Land. Ein bisschen überraschend noch: Mineralfutter ist weiter im Aufwind, vor allem für Rinder, aber auch Schweine fressen offenbar mineralisch kräftiger mit (+4,1 Prozent).

Dreiviertel des gesamten Mischfutters stammt, wenig verwunderlich, aus dem Norden – Niedersachsen, Schleswig-Holstein, NRW und Co. In Ostdeutschland tut sich weniger, dort stagniert die Tierhaltung, das liegt an den bekannten Strukturverschiebungen der Landwirtschaft in jener Region.

Krisenherde und globale Abhängigkeiten

Die eigentlichen Sorgenkinder bleiben andere: Globale Krisen, Lieferverzüge, Preissprünge. Vitamine, Aminosäuren, viele Zusatzstoffe kommen aus Übersee, meist Asien. Das ist nicht nur teuer, sondern auch riskant – schon heute hängt die EU bei Lysin zu 95 Prozent am Import-Tropf, bei bestimmten Vitaminen teilweise sogar noch mehr. Wenn irgendwo ein Schiff im Suez-Kanal feststeckt oder China und Europa sich streiten: Die Versorgung, die Tiergesundheit, alles gerät ins Wanken. DVT-Präsident Schiplage fordert von Brüssel daher weniger Trägheit, mehr Weitblick – Europa müsse attraktiver für die Herstellung solcher Stoffe werden. Besonders Bio- und "non-GM"-Soja bereiten Kummer. Lieferungen aus Indien, Nigeria oder China sind nicht selbstverständlich pünktlich.

Und am Horizont: Der Krieg Russland-Ukraine. Noch laufen die Exportströme von Getreide und Ölsaaten ziemlich glatt, aber das Damoklesschwert möglicher Störungen bleibt – besonders für einzelne Nischen und Spezialsorten.

Bürokratie – Belastung oder Chance?

Neues Paragraphenwerk wie die EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Lieferketten (EUDR) sorgt für graue Haare im Silo. Wer Futtermittel herstellt oder bewegt, stößt auf immer mehr Papierkram, Dokumentationswut, Berichtspflichten. Bei Soja allein schlägt der zusätzliche Aufwand laut DVT europaweit mit 1,6 Milliarden Euro zu Buche – das ist nicht nur ein Kosten-, sondern am Ende vielleicht sogar ein Wettbewerbsproblem. Nach Ansicht des Verbands braucht Europa keine endlosen Verschiebungen, sondern Lösungen, die "alltagstauglich" sind. Weniger bürokratischer Ballast, mehr Flexibilität, aber trotzdem Kontrolle – das ist der Spagat, den die Branche fordert. Am Ende geht es darum, Ressourcen in Innovation und Wachstum zu investieren, nicht ins Häkchensetzen auf Formularen.

Hintergrundinfos

Die aktuellen Zahlen kommen von der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE). Einblicke gibt es auf der DVT-Website. Übrigens – der DVT vertritt die gesamte Wertschöpfungskette um Futtermittel und Zusatzstoffe. Für detaillierte Auswertungen empfiehlt sich ein Blick in die aktuellen Branchencharts.

Deutschlands Mischfutterbranche kämpft sich nach harten Jahren langsam ins Plus zurück: Die Produktion legt 2025 zum zweiten Mal in Folge zu, doch der Erfolg wird überschattet von geopolitischen Unsicherheiten und einer fast beängstigenden Abhängigkeit bei Zusatzstoffen – speziell aus Asien. Die EU droht, sich immer mehr in regulatorischen Vorschriften wie der EUDR zu verfangen, während viele Hersteller eine Flut an Bürokratie beklagen und bereits Milliardenkosten für Dokumentation allein beim Soja kalkulieren. Die Branche fordert daher praxistaugliche Regeln und eine Rückkehr zur Produktion zentraler Zusatzstoffe nach Europa, um die Innovationskraft zu erhalten – nicht zuletzt, weil Teile der Politik die Herausforderungen bislang eher zerredet als gelöst haben.

Ergänzende neue Entwicklungen: In den letzten 48 Stunden herrscht in der Branche weiter Alarmstimmung. Die Süddeutsche meldet, dass durch die aktuellen geopolitischen Spannungen, vor allem den Nahost-Konflikt und die Unsicherheiten am Suez-Kanal, massive Verzögerungen bei Importen drohen und die Abhängigkeit der Futtermittelindustrie immer stärker in den Fokus rückt. Der Spiegel berichtet ergänzend über die Zunahme regulatorischer Anforderungen auf EU-Ebene; dabei stehen nicht nur Umweltschutzthemen, sondern auch Fragen der Herkunftssicherung und Transparenz in Lieferketten im Vordergrund. Die taz analysiert kritisch, wie insbesondere kleinere Futtermittelbetriebe durch die Vielzahl an neuen Richtlinien und steigende Energiepreise finanziell massiv unter Druck geraten und oft kaum noch Schritt halten können.

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