Es ist schon bezeichnend: Gerade in einer Zeit, in der, wie das Statistische Bundesamt erst kürzlich betonte, Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben, sprechen einige Politiker und Ökonomen viel zu leichtfertig von Kürzungen im Sozialbereich. Die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, äußerte sich gegenüber der 'Rheinischen Post' ungewohnt deutlich – das hat man so schon lange nicht mehr gehört. Wer jetzt spart, so Engelmeier, vergrößert den schon tiefen Riss zwischen Wohlhabenden und jenen, die von ihrem Einkommen kaum leben können. Das ist keine These aus den 90ern, sondern eine bittere Analyse des Hier und Jetzt. Selbst wenn der Wohlstand der Wenigen weiter anwächst, werden auf der anderen Seite Menschen schlichtweg abgehängt. Engelmeier macht wenig Hehl daraus, wie sie die Lösung sieht: Starke Schultern, also sehr hohe Vermögen, müssen mehr zum Gemeinwohl beitragen. Kurz gesagt: Wer sich auf einen funktionierenden Sozialstaat verlassen will, muss ihn entsprechend finanzieren – gerade in Krisenzeiten, wenn Jobs wegbrechen, Krankheiten zuschlagen oder schlicht und ergreifend das Leben in Schieflage gerät. Die neuesten Zahlen sprechen Bände: Rund 13,3 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger leben inzwischen unterhalb der Armutsgefährdungsmarke. Es steht mehr auf dem Spiel als nur Zahlen, es geht um soziale Teilhabe, Würde und Sicherheit.
Der Sozialverband Deutschland warnt davor, angesichts wachsender Armutsquoten in Deutschland beim Sozialstaat zu sparen. Rund 13,3 Millionen Menschen gelten laut aktuellem Bericht des Statistischen Bundesamts als armutsgefährdet. Die soziale Ungleichheit nimmt weiter zu – die Forderung nach einer gerechteren Vermögensbesteuerung kommt daher nicht von ungefähr. Engelmeier betont, dass Sicherheit dann gewährleistet ist, wenn besonders wohlhabende Bürgerinnen und Bürger mehr zur Finanzierung des Sozialstaats beitragen. Die kontroverse Debatte über soziale Umverteilung entzündet sich aktuell besonders an der Finanzierung von Sozialleistungen, wie etwa dem Bürgergeld. Kritikern der SoVD-Position entgegnet Engelmeier, dass Einsparungen bei den Schwächsten der Gesellschaft fatale Folgen für das gesellschaftliche Klima und den sozialen Zusammenhalt haben könnten, worauf auch viele andere Sozialverbände hinweisen.