Wenn ich an deutsche Frühlingsspezialitäten denke, steht Spargel ganz oben auf der Liste. Aber: Die goldenen Zeiten scheinen vorbei zu sein. Im Jahr 2025 wurden gerade noch 103.900 Tonnen Spargel geerntet – rund 4 Prozent weniger als 2024, fast 9 Prozent unter dem Stand von vor zehn Jahren. Schuld daran ist unter anderem, dass die Anbaufläche schrumpft: Mit 22.500 Hektar (2025) liegt sie deutlich unter dem Niveau von 2015 mit damals noch 25.700 Hektar. Interessant – kleinere Betriebe ziehen sich besonders häufig zurück. Während die Fläche um etwa ein Achtel sank, gab es bei den Höfen fast 30 Prozent weniger: Aus 1.900 Betrieben 2015 wurden 2025 nur noch 1.350.
Dennoch: In Bayern (290 Höfe), NRW (265) und Baden-Württemberg (210) wird weiterhin kräftig Spargel gezogen. Die größten Felder findet man wiederum eher in Niedersachsen, NRW und Brandenburg (dort liegen sie jeweils um die 4.000 Hektar). Doch selbst das reicht anscheinend nicht, um den Hunger nach Spargel zu stillen, denn Importe haben mächtig zugelegt. 2025 wurden 24.500 Tonnen Spargel nach Deutschland geholt – das ist etwa ein Viertel der heimischen Produktion, Tendenz steigend (2024: 23.100 Tonnen). Ein Großteil davon stammt aus Spanien (fast 27 Prozent), Mexiko (20) und Griechenland (ebenfalls knapp 20), wobei die Importe besonders zwischen März und Juni auf den Markt drücken. Wenig verwunderlich – schließlich will jeder zur Saison welchen essen.
Der Export schwankt dagegen wenig: 2025 gingen 4.500 Tonnen ins Ausland, das ist ein leichter Rückgang zum Vorjahr, aber immerhin mehr als 2015. So ganz ohne deutschen Spargel will man offenbar auch jenseits der Grenze nicht leben.
Spargel ist nach wie vor aus vielen deutschen Küchen in der Saison nicht wegzudenken, doch der Rückgang bei Anbau und Ernte zeigt, wie sich Landwirtschaft und Märkte wandeln. Hauptgründe liegen offenbar in gestiegenen Kosten, schwierigen Arbeitsbedingungen und der wachsenden Konkurrenz durch günstige Importe – selbst wenn die Nachfrage nach dem 'Weißen Gold' unverändert hoch bleibt. Laut aktuellen Berichten kämpft die Branche zusätzlich mit dem Klimawandel, der die Anbaubedingungen erschwert und Ertragsunsicherheiten verschärft. Spargelhöfe – gerade im Osten Deutschlands – stehen unter erheblichem Druck, weil Personal fehlt und die Löhne steigen. Im Ausland, etwa in Spanien und Mexiko, sind die Produktionskosten niedriger – deshalb wird mehr Spargel importiert als noch vor wenigen Jahren. Auch Konsumgewohnheiten wandeln sich langsam: Regionalität ist weiterhin vielen Menschen wichtig, aber Preis und ständige Verfügbarkeit gewinnen an Gewicht. Als Folge davon droht das saisonale Spargelfest immer mehr ein Nischenereignis für Liebhaberinnen und Liebhaber zu werden, während Supermärkte mit Importware auf Dauer ein größeres Stück vom Umsatzkuchen abschneiden könnten.