Eigentlich ist es ja immer ein wenig spannend, wenn bekannte TV-Formate ihre Moderation wechseln. Manchmal funktioniert es, manchmal nicht, oft gibt es Kontroversen. Beim ZDF-"auslandsjournal" scheint mit Shakuntala Banerjee und Alica Jung jedoch ein dezenter, aber bemerkenswerter Neuanfang zu gelingen. Die beiden neuen Moderatorinnen bringen nicht nur viel Erfahrung im Ausland mit, sondern auch ein Gespür für politische Zusammenhänge – und für die Geschichten hinter den großen Schlagzeilen. Banerjee, Jahrgang 1973, kennt das politische Berlin aus dem Effeff, war viele Jahre Korrespondentin in Brüssel, dann Chefin für Politik und Zeitgeschehen am ZDF. Wer mit ihren Sendungen vertraut ist, weiß: Sie denkt gern einen Schritt weiter, und manchmal merkt man, dass ihre Kommentare von echter Neugier getrieben sind. Jung, geboren 1989, ist knapp zwei Jahrzehnte jünger, aber Granate im Livebetrieb und als Reporterin in Krisengebieten ohnehin abgehärtet. Ihre Erfahrung reicht von der Ukraine bis Israel – was ihr, offen gesagt, in einer Welt, in der Nachrichten immer häufiger aus Konfliktregionen kommen, sicherlich nützlich sein wird. Ehrlich gesagt, ist es gar nicht so leicht vorherzusagen, welche Tonlage die Sendung künftig anschlägt. Klar ist aber: Die neue Doppelspitze dürfte für mehr Perspektivenvielfalt sorgen und womöglich auch für einen etwas frischen Ton. Antje Pieper, über zehn Jahre das Gesicht des Formats, wechselt derweil nach Rom, ins dortige ZDF-Auslandsstudio. Das "auslandsjournal" bleibt jedenfalls eine der letzten Bastionen im deutschen Fernsehen, bei denen internationale Berichterstattung nicht bloß aus Agenturmaterial besteht, sondern aus engagierter, manchmal auch unbequem gehaltener Korrespondenz. Schon seit 1973 übrigens. So lange hält sich im deutschen TV nur, wer relevanten Journalismus liefert.
Mit Banerjee und Jung tritt beim ZDF-"auslandsjournal" ein Generationenwechsel an, der das bewährte Format um neue Stimmen und Perspektiven bereichert. Während Banerjee für analytische Tiefenschärfe steht, bringt Jung die Dynamik und Erfahrungsdichte einer Konfliktreporterin mit. Interessanterweise gilt die Sendung nach wie vor als Flaggschiff für vertiefende, hintergründige Auslandsberichterstattung und punktet im Vergleich zu vielen stream-basierten News-Angeboten mit kontinuierlicher Präsenz und Breite. Recherchen zeigen, dass jüngst generell das Interesse an kompetenter Einordnung internationaler Geschehnisse wächst – vielleicht, weil immer mehr Zuschauer:innen in Krisen- und Umbruchzeiten nach Orientierung suchen. Zudem berichten mehrere Medienhäuser von gewandelten Sehgewohnheiten beim Fernsehpublikum: Authentizität, Fachkenntnis und spürbare Persönlichkeit der Moderierenden gewinnen an Bedeutung gegenüber glatten Präsentationen (Quelle: www.zeit.de). Das neue Moderatorinnenduo dürfte daher in eine Zeit starten, in der andere Akzente bei Informationssendungen gefragt sind, insbesondere was Empathie, kritische Nachfragen und Transparenz angeht.