Stromnetz-Attacke in Berlin: PKGr warnt vor Versäumnissen beim Schutz kritischer Infrastruktur

Nach dem jüngsten Angriff auf das Berliner Stromnetz fordert Marc Henrichmann, Chef des Gremiums zur Geheimdienstkontrolle im Bundestag (PKGr), dass die Sicherheitsorgane gestärkt und besser ausgestattet werden.

07.01.26 12:51 Uhr | 9 mal gelesen

Marc Henrichmann, als Vorsitzender des Kontrollgremiums für die Geheimdienste im Bundestag, äußerte sich deutlich nach dem Angriff auf Berlins Stromversorgung. In einem Interview mit der 'Rheinischen Post' betonte er: "Es reicht nicht aus, auf den nächsten Vorfall zu warten – die Sicherheitsbehörden und der Verfassungsschutz müssen aufrüsten: personell wie technisch." Besonders bemerkenswert: Henrichmann spricht vom Vorfall als einer Art Alarmsignal – durchaus ein Bild, das hängen bleibt. Er fordert, dass die Politik, die Behörden und die Unternehmen, die Deutschlands kritische Infrastruktur betreiben, nicht länger zögern dürfen. "Jetzt zählen schnelle Entscheidungen, Strukturen mit Rückfallebenen – und ein bunteres, besser abgestimmtes Netz von Sicherheitsmaßnahmen." Die Verantwortung sieht Henrichmann sowohl bei den Entscheidungsträgern als auch im parlamentarischen Raum. "Das Parlamentarische Kontrollgremium muss alle Varianten von Sabotage vor Augen haben, um daraus Konsequenzen ziehen zu können." Interessant übrigens: Aus Kreisen der Union wurde durchgesteckt, dass nicht nur der Innenausschuss, sondern sehr wahrscheinlich auch bald das geheim tagende PKGr das Thema Anschlag intensiv besprechen wird. Überraschend offen, wie das kommuniziert wurde.

Der Anschlag auf das Stromnetz Berlins hat die Debatte um die Sicherheit kritischer Infrastruktur in Deutschland erneut entfacht. PKGr-Chef Henrichmann sieht dringenden Handlungsbedarf bei Behörden und politischen Entscheider*innen, nicht zuletzt weil die Gefahr von Sabotageakte – teils auch im Kontext geopolitischer Spannungen – in den letzten Monaten deutlich gewachsen ist. Laut aktuellem Lagebild (z.B. vom BSI und Verfassungsschutz) rücken Angriffe auf Energie-, Wasser- und Kommunikationsnetze immer stärker in den Fokus, wobei Ermittler:innen zunehmend von einer Professionalisierung und internationalen Vernetzung der Täter*innen ausgehen. Gerade die Kombination aus digitalen und physischen Angriffspunkten bereitet den Behörden Sorge, weshalb neue defensive Maßnahmen – wie Rückfallebenen, Echtzeiterkennung und verbesserte Kooperationen – intensiv diskutiert werden. Gleichzeitig werden Vorwürfe laut, dass Zuständigkeiten zwischen verschiedenen Behörden, Betreibern und Ministerien teils noch zu unklar verteilt seien, was in Krisensituationen zu Verzögerungen führen könnte. Generell herrscht in aktuellen Expertenstatements aus den letzten 48 Stunden Einigkeit darüber, dass die deutsche Infrastruktur an einem Wendepunkt stehe: Ohne schnelles und koordiniertes Handeln drohen – so der Tenor – langfristige Schwachstellen.

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