Tatort Schwarzwald: Das jüngste Geißlein – düstere Märchenmotive in neuem Fall

Der neue Schwarzwald-Tatort entführt seine Kommissare Tobler und Berg in ein winterliches Märchen voller Schrecken, kindlicher Ängste und einem rätselhaften Verbrechen.

19.12.25 17:38 Uhr | 105 mal gelesen

Es klingt fast zu sehr nach einem alten Grimm’schen Märchen, aber dieses Mal spielen die Schatten und Ängste mitten im verschneiten Schwarzwald: Ein entlegenes Haus, ein totes Elternteil, dazu ein Kind, das sich wortwörtlich vor dem 'Wolf' versteckt – allerdings nicht, wie im Märchen, durch gelegentliche List, sondern im Kasten einer Standuhr. Friedemann Berg stolpert quasi zufällig in die gespenstische Szenerie, und ziemlich schnell stellt sich ein Gefühl von ratloser Beklommenheit ein. Die kleine Eliza wirkt wie aus einer anderen Welt gefallen; sie spricht kaum, ihr Blick ruht irgendwo zwischen Märchenland und Albtraum, während Blutspuren und der vermisste Vater den Fall düster einfassen. Wenig später taucht der Vater im Waldsee auf – aber nicht lebend. Franziska Tobler setzt sofort auf den klassischen Verdacht familiärer Gewalt. Doch je mehr die Psychologin Dr. Kaltenstein versucht, Eliza vor äußeren Befragungen zu schützen, desto störrischer wird die Ermittlungsarbeit. Merkwürdig: Das Mädchen hat sich offenbar seit Jahren niemandem mehr geöffnet. Ob die einsame und schweigsame Eliza wirklich der Schlüssel ist oder ob hier einfach nur ein zu offensichtliches Bild gezeichnet wird? Die Ermittlungen schleichen im Halbdunkel zwischen wörtlichen und übertragenen Wölfen dahin. Und während das Ermittler-Duo – gespielt von Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner – tief in Elizas psychische Festung vorzudringen versucht, wird klar: Märchenhaft ist hier höchstens die Kulisse; dahinter tobt die kalte Realität. Gedreht wurde der Tatort von Rudi Gaul nach einem Drehbuch von Ulrike Schölles und ihm. Bemerkenswert: Das Produktionsteam hat mit Details nicht gegeizt – von Musik (Verena Marisa) bis Kostümbild (Maxi Munzert) saß alles. Einzig die Frage bleibt, ob wir Zuschauer am Ende wirklich wissen, was hier nun eigentlich wahr ist. Wer Statements von Cast und Crew sucht, wird auf der SWR-Seite fündig. Die Ausstrahlung ist am 4. Januar 2026, um 20:15 Uhr im Ersten und natürlich auch in der ARD Mediathek. Für die ganz Eifrigen gibt es mehr Material und Fotos sowie einen Pressezugang – aber ehrlich, manchmal reicht auch Zuschauen allein, um sich auf kluge Weise verstören zu lassen.

Tatort-Fälle aus dem Schwarzwald geraten immer wieder zu psychologisch fein gesponnenen Dramen, und auch dieses Mal geht es nicht bloß um das Offensichtliche, sondern auch um kindliche Traumatisierung und Sprachlosigkeit inmitten eines Kriminalfalles. Neben der spannenden Krimihandlung werden besonders die Parallelen zum Märchen – das Motiv des Wolfs und das Sich-Verstecken – betont, was dem Ganzen eine beklemmend-märchenhafte Atmosphäre verleiht. Was aktuelle Pressestimmen ergänzen: In den letzten Tagen wurde viel über das neue Tatort-Konzept diskutiert, das sich noch konsequenter von klassischen Krimi-Erzählungen entfernt und stärker auf psychologische wie gesellschaftliche Abgründe in deutschen Provinzen setzt. Die neue Episode steht so exemplarisch für einen Umschwung im deutschen Fernsehkrimi, der vermehrt auf gesellschaftliche Zwischentöne, das Unsichtbare hinter den Offensichtlichkeiten und die Verletzlichkeit der Schwächsten eingeht. Bemerkenswerterweise diskutieren Kritiker:innen in aktuellen Medien auch, wie sehr sich moderne Krimis zwischen Empathie und Ausleuchtung von Gewalt bewegen sollten – ein Thema, das beim neuen Schwarzwald-Tatort nachhallt. Wer genauer hinsieht, erkennt: Hier steht weniger die reine Verbrechensaufklärung im Fokus, sondern ein feinsinniges Porträt kindlicher Wahrnehmungswelten und deren Zerstörung durch eine gewaltvolle Erwachsene-Realität.

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