Eigentlich klang es wie eine vernünftige Lösung in Pandemiezeiten: Wer krank ist, ruft eben kurz beim Arzt an, lässt sich telefonisch krankschreiben – fertig. Doch diese Praxis, einst als Ausnahmeregelung in der Corona-Not geboren, stößt nun verstärkt auf Kritik. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an, das Ganze nicht mehr einfach durchzuwinken. Im Koalitionsvertrag sei klar festgehalten, Missbrauch müsse vermieden werden. Warken sagte dem 'Tagesspiegel', das Thema stehe jetzt auf der Agenda – alles kommt auf den Prüfstand, die Regelungen rund ums Krankmelden per Telefon also auch. Interessant ist, wie schnell dieses politische Thema Fahrt aufnahm: Erst vor ein paar Tagen hat Bundeskanzler Friedrich Merz auf einer Veranstaltung im Wahlkampf in Baden-Württemberg den Krankenstand – im Schnitt immerhin 14,5 Tage pro Beschäftigtem – als zu hoch kritisiert. Eine Steilvorlage für alle, die skeptisch auf die telefonische Krankschreibung blicken. Warken machte klar: Natürlich dürfe man Menschen, die ernsthaft krank sind, nicht unter Verdacht stellen. Aber gleichzeitig wolle sie ehrlich bleiben – es gebe eben auch diejenigen, für die der einfache Anruf fast schon eine Einladung zum Missbrauch ist. Immerhin: Deutschland liegt international bei den Fehltagen ziemlich weit oben, auch das war ein Argument des Kanzlers. Die ganz banale Frage im Raum: War diese Corona-Maßnahme vielleicht doch eine zu offene Tür für Schummeleien? Oder brauchen wir einfach flexiblere, aber trotzdem sichere Alternativen?
Ministerin Warken (CDU) stellt die fortgesetzte Praxis der telefonischen Krankschreibung infrage, ähnlich wie Kanzler Merz kürzlich hohe Krankenstände als Problem ansprach. Die Diskussion dreht sich vor allem um mögliche Missbrauchsfälle und um internationale Vergleiche, in denen Deutschland mit besonders hohen Fehltagen auffällt. Neuere Berichte verschiedener Medien beleuchten, dass einzelne Krankenkassen und Ärzteverbände die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) als Chance für digitale Modernisierung sehen, aber vor zu restriktiven Änderungen warnen – es drohe ein Rückschritt für Patientenservice und Praxen, sollten die Hürden für Krankschreibungen wieder verschärft werden. Die Debatte nimmt zudem Fahrt auf, da die Zahl der Krankmeldungen 2023 auf ein neues Rekordniveau gestiegen ist. Serviceorientierte Lösungen geraten neben der Missbrauchsdebatte so zunehmend in den Fokus – ein Spagat, der schwieriger ist, als es auf den ersten Blick scheint.