Es sind turbulente Zeiten, auch in der Musik – das spürt man beim diesjährigen Festival in Witten ganz deutlich. Klangforum Wien, Quatuor Diotima, die Basel Sinfonietta oder das WDR Sinfonieorchester werfen das Publikum mitten hinein in klanggewordene Unsicherheit. Nicht alles klingt gefällig; manchmal rumpelt’s, manchmal flirrt’s fast gespenstisch. Besonders spannend: Im imaginären musikalischen Gespräch zwischen Israel und Iran entsteht ein erstaunlich hoffnungsvoller Ton – fast als hätte die Gegenwart selbst Sehnsucht nach Verständigung. Unerwartet vielseitig ist auch die junge Sopranistin Begüm Aslan unterwegs: Zwölf Miniaturen singt sie, sich selbst auf dem Kontrabass begleitend. Junges Talent gibt’s im IEMA ATELIER 27 zu erleben, wo frische Stimmen mit mutigen Kompositionen auftreten.
Im Mittelpunkt steht diesmal die vielbeachtete Komponistin Chaya Czernowin, die nicht nur mit ihren Werken, sondern erstmals auch mit einer eigenen Musiktheater-Inszenierung Akzente setzt. Matthias Kremin vom WDR sieht die Zusammenarbeit mit der Stadt Witten als Sprungbrett für Künstler:innen aus dem ganzen Land – ein Statement, dem wenig entgegenzusetzen ist.
Tickets gibt es an der Saalbaukasse in Witten sowie online (saalbaukasse@stadt-witten.de). Für alle, die nicht vor Ort sein können: WDR 3 überträgt sämtliche Konzerte live, und hinterher sind sie online im Konzertplayer abrufbar – ein Paradebeispiel für barrierefreie Kultur. Wer nach Hintergrundinfos sucht, findet alles Wichtige im Netz oder telefonisch beim WDR-3-Service. Übrigens: Die Veranstaltung zählt weltweit zu den ältesten ihrer Art und hat Tradition, seit 1969 dabei, unterstützt vom Land Nordrhein-Westfalen – mit solider Förderung, aber ohne Staubschicht. Alles Weitere und auch Bildmaterial? Siehe die genannten Webseiten oder fragen Sie direkt nach.
Die Wittener Tage für neue Kammermusik bieten vom 24. bis 26. April 2026 ein ambitioniertes und internationales Programm, das sich unter dem Motto „Gegenwart. Unentrinnbar.“ ausdrücklich mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen befasst. Im Fokus stehen zahlreiche Uraufführungen, innovative Formate – etwa der Dialog zwischen Israel und Iran – und eine programmatische Vielfalt, die von neuen musikalischen Ausdrucksformen geprägt ist; die Porträtkomponistin Chaya Czernowin präsentiert ein Musiktheaterprojekt. Neuere Studien und aktuelle Presserecherchen zeigen, dass die Wittener Tage in der Szene weiterhin als eines der wichtigsten Festivals Neuer Musik gelten und deutschlandweit sowie international beachtet werden, was durch die bemerkenswerte Zahl internationaler Ensembles und Komponist:innen in diesem Jahr unterstrichen wird. Außerdem verzeichnet das Festival eine verstärkte Einbindung junger Komponierender, Genderdiversität in der Programmgestaltung und eine deutliche Digitalisierung der Vermittlungskanäle – der Livestream, begleitende Podcasts sowie Social-Media-Inhalte erhöhen die Reichweite auch für ein jüngeres Publikum deutlich.