Sebastian Ebel, aktueller Vorstandsvorsitzender von Tui, ließ im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ durchblicken: Man blickt verstärkt auf das Segment der günstigen Pauschalreisen. Zwar sei Tui schon an der Spitze, wenn es um hochpreisige Urlaubsangebote gehe – aber ausgerechnet im unteren Preissegment gebe es, zumindest laut Ebel, noch jede Menge Luft nach oben. Mit derzeit nur zehn bis fünfzehn Prozent Marktanteil bei Budgetreisen sieht das Management ordentlich Potenzial. Hinzu kommt: In etablierten Märkten wie Deutschland ist das Geschäft mit „Luxusreisen“ praktisch ausgereizt, mehr Wachstum ist schwer vorstellbar. Also – neue Nischen müssen her, ganz klar. Ltur und First Choice, zwei bereits existierende Marken im Billigbereich, könnten dabei als Sprungbrett dienen. Die vorhandene Technik und das Know-how dieser Marken sollen gezielt genutzt werden, denkt Ebel laut nach. Und: Die Sache soll nicht zu Lasten der Gewinnspanne gehen. Man will auch richtig Geld verdienen, selbst wenn’s für die Kunden günstiger wird. Ehrlich gesagt: Das klingt nach einer Gratwanderung – günstig und profitabel unter einen Hut zu bringen, ist selten ein Kinderspiel.
Tui verändert seine Strategie und setzt zunehmend auf das wachsende Segment der preiswerten Urlaubsreisen. Obwohl Tui im Bereich Luxusurlaub bereits Marktführer ist, sieht Vorstandschef Sebastian Ebel vor allem bei günstigeren Angeboten viel Wachstumsspielraum – aktuell liegt der Marktanteil in diesem Segment erst bei zehn bis 15 Prozent. Mit Marken wie Ltur und First Choice, die traditionell auf Budgetreisen spezialisiert sind, will Tui gezielt neue Kundinnen und Kunden ansprechen und dabei Gewinne nicht aus den Augen verlieren.
Ergänzend berichten verschiedene Quellen, dass viele Reiseveranstalter aktuell versuchen, ihre Angebote breiter aufzustellen, um inflations- und preissensible Verbraucher zu erreichen. Mehrere Branchenbeobachter verweisen auf eine verstärkte Buchungsnachfrage für günstige Pauschalreisen nach Südeuropa, insbesondere dank früher Buchungsrabatte und flexibler Stornierungsoptionen. Tui steht mit seiner Budgetoffensive also exemplarisch für einen allgemeinen Trend der Branche.