Felix Murot, gespielt wie immer leicht melancholisch von Ulrich Tukur, ist am Limit. Der Stress des Kommissars, irgendwie kennt das ja fast jede:r, wächst ihm über den Kopf – sein Kopf wird wortwörtlich zum Tatort. Statt altbekannte Tatortroutinen setzt diesmal eine mysteriöse Erfindung an: Mithilfe eines Geräts kann Murot sein eigenes Seelenleben wie ein Labyrinth durchwandern. Sein Psychiater (Robert Gwisdek, mit sanftem Understatement) bleibt trotz aller Bemühungen seltsam ratlos angesichts der schrägen Bilder, auf die sie dort treffen.
Parallel thematisiert der Fall von Eva Hütter und ihrem kleinen Sohn Benjamin das uralte Drama ums Sorgerecht – bis, in einem Moment wie aus dem echten Leben, alles kippt. Mit Benjamin im Schlepptau verschwindet Eva, versteckt sich in einer Hütte im Taunus. Die Lage eskaliert: Bei einer wilden Verfolgungsjagd kurvt Eva samt Wagen kopfüber in den Straßengraben und landet im Koma. Benjamin bleibt verschwunden.
Jetzt schnappt die Geschichte richtig zu: Murot beschließt, die Neuro-Maschine ein zweites Mal einzusetzen – diesmal für eine Reise in das verschlossene Unterbewusstsein der komatösen Mutter. Der Ermittler nähert sich wagemutig einer fremden Seele, voller Zweifel und Neugier. Menschen stoßen eben manchmal an ihre Grenzen, das zeigt dieser Tatort unverblümt – und rüttelt nebenbei an der Grenze zwischen Realität und Vorstellung.
Das Krimi-Experiment, inszeniert von Dietrich Brüggemann, schert sich wenig um typische Tatort-Formeln. Die Schauspielenden bringen ihre Figuren auf Augenhöhe mit dem Zuschauer, und die Ausstattung – manchmal fast spröde, manchmal märchenhaft – setzt eigenwillige Akzente. Die übrige Crew: Alexander Sass (Kamera), Anette Reuther (Szenenbild), Jan Geiling (Ton), Stefan Blau (Schnitt), Aino Laberenz (Kostümbild), Nathalie Mischel (Casting). Fürs Redaktionelle steht Jörg Himstedt beim HR, produziert haben wie so oft Ulf Israel und Reik Möller für Senator Film.
Der neue hr-Tatort 'Murot und der Elefant im Raum' sticht mit seiner ungewöhnlichen Mischung aus Krimi, psychologischem Porträt und Sci-Fi-Elementen heraus; Regisseur Dietrich Brüggemann experimentiert dabei offen mit den Möglichkeiten des Genres. Die Produktion isoliert das Thema der Eltern-Kind-Bindung aus dem klassischen Sorgerechtsdrama und erweitert es um einen Traumreise-Plot, in dem Hauptfigur Felix Murot (Tukur) buchstäblich in die Gedankenwelt der Verdächtigen eindringt. Kritiken aus der aktuellen Berichterstattung heben insbesondere die fast surreale Bildsprache und die intensive, teils irritierende Atmosphäre hervor, die für Gesprächsstoff sorgt – viele loben den Bruch mit klassischen Tatort-Mustern.
Erweiterte Recherche ergibt: Speziell nach Tukur-Tatorten wird aktuell verstärkt gesucht, da er als einer der experimentierfreudigsten Ermittler gilt. Zuletzt wurde etwa im 'Spiegel' und bei 'FAZ' besprochen, dass viele Zuschauer:innen gerade diese ungewöhnlichen Folgen polarisiert aufnehmen – einige lieben die Kreativität, andere sehnen sich nach mehr Bodenständigkeit. Zudem spiegelt sich in der aktuellen Medienberichterstattung ein wachsendes Interesse an psychologischen Aspekten und Grenzerfahrungen im TV-Krimi, was sich an Kommentaren und Social-Media-Diskussionen rund um 'Murot und der Elefant im Raum' ablesen lässt.