Man sollte nicht in panikartige Gefolgschaft verfallen, wenn Putin den Westen oder die Ukraine einmal mehr zu beeindrucken versucht – so äußert sich Makeiev recht bestimmt gegenüber Politico. Für den Diplomaten steht fest: Es geht nicht um ein angebliches 'Zurückschlagen', sondern schlicht um ein weiteres Mal zuschlagen – Putins Muster aus Eskalation und Gewalt sei seit 2014 offensichtlich. Seit nunmehr über einem Jahrzehnt stemmt sich die ukrainische Gesellschaft tagtäglich gegen einen Krieg, dessen Grenzlinie eigentlich kaum mehr deutlicher werden kann, meint Makeiev. Das Gerede von einer drohenden neuen Eskalationsstufe – reine Augenwischerei. Die Ukrainerinnen und Ukrainer kennen das Grauen, sie leben darin und verteidigen, was zu verteidigen ist.
Kurz vor dem Treffen jener sogenannten "Koalition der Willigen" in Kiew – dabei sind auch viele westliche Spitzenpolitiker diesmal nur digital zugegen, mit Kanzler Friedrich Merz an der Spitze – verteidigt Makeiev die Entscheidung und betont: Die Hauptstadt sei derzeit ohnehin übervoll mit Besuchern aus aller Welt. Von einem eklatanten Knacks im Verhältnis zur Bundesregierung mag er nicht sprechen. Die Kommunikation sei nah, das Verständnis für die Umstände groß – Sprünge in der Beziehung sieht Makeiev keine.
Bezüglich möglicher hochrangiger amerikanischer Besucher (Kushner, Witkoff) verweist Makeiev darauf, dass Einladungen offenliegen. Man hoffe auf frischen Wind in den Verhandlungen und auf weiteren internationalen Druck gegen Moskau. Die Welt könne inzwischen ganz genau erkennen, wer Gespräche blockiert – und das, so Makeiev, sei nicht die Ukraine.
Putins jüngste Drohung, auf Angriffe in Russland mit harter Gegenwehr zu reagieren, betrachtet der ukrainische Botschafter Makeiev als reine Rhetorik – ein erneuter Versuch, Druck aufzubauen, ohne eine echte neue Stufe der Eskalation zu erreichen. Die Ukraine kämpft bereits seit mehr als zehn Jahren gegen den russischen Angriff und empfindet die aktuellen Drohungen nicht als außergewöhnlich gefährlich oder neu. Im internationalen Austausch sieht Makeiev weiterhin breite Unterstützung, wie die rege Teilnahme – auch virtuell – am jüngsten Gipfeltreffen in Kiew belegt; dass deutsche und andere westliche Spitzenpolitiker teils digital dabei waren, sieht er nicht als Rückschritt, sondern als Ausdruck der aktuellen Sicherheitslage und als Zeichen fortgesetzten Interesses.
Laut mehreren aktuellen Berichten gab es in den vergangenen Tagen erneut intensive russische Angriffe auf ukrainische Infrastruktur, während Kiew mit punktuellen Angriffen auf russische Ziele reagiert hat. Auch wird in westlichen Medien zunehmend thematisiert, wie die Unterstützung der Verbündeten, insbesondere was Waffenlieferungen betrifft, für die Ukraine entscheidend ist – Streitpunkte über die Lieferung bestimmter Waffensysteme bestehen weiterhin. Zusätzlich steht die Frage im Raum, wie lange der Westen, insbesondere die USA und die Bundesregierung, in diesem Krieg eine Führungsrolle behalten oder ob die Koalition allmählich Ermüdungserscheinungen zeigt.