Die ursprüngliche Meldung stammt vom 'Tagesspiegel' – aber sie klingt, als wäre sie direkt aus einem dystopischen Zukunftsroman gefallen. Herr Zaijtschenko, der übrigens ursprünglich Ingenieur ist, empfiehlt, in Deutschland Flugverbote über empfindlichen Teilen der Strominfrastruktur – konkret: Umspannwerken – einzurichten. Was sich nach Hollywood anhört, ist in der Ukraine längst bittere Realität: Schutzbauten um Transformatoren, da Drohnen sonst binnen Minuten alles zerstören könnten. Bis zum kommenden Winter, so Zaijtschenko, sollen 90 Prozent der Transformatoren militärtauglich gesichert sein – ein Aufwand, der hierzulande wie Science-Fiction erscheinen muss. Zaijtschenko meint klipp und klar: In Friedenszeiten sei so etwas in Deutschland natürlich unnötig. Und trotzdem: Nachdenken über solche Maßnahmen, elektronische Störsender als Drohnenabwehr, das hält er – vorsichtig gesagt – für eine kluge Vorbereitung.
Er liefert noch mehr Denkanstöße: Eine EU-weite Notreserve an wichtigen Ersatzteilen – Transformatoren, Schaltern, Wandlern –, um im Krisenfall nicht vor leeren Lagern zu stehen. Selbst ein kleiner Überschuss könne da dramatisch helfen. Die eigentliche Hürde, so seine Erfahrung, liege allerdings im Banalen: Finanzen und Zeit. Ukrenerho braucht laut Zaijtschenko noch 130 Millionen Euro, um rechtzeitig zum Winter gewappnet zu sein. Schon so ein Satz lässt mich ganz anders auf das deutsche Stromnetz blicken. Wie verletzlich sind wir eigentlich wirklich?
Im Kern fordert Ukrenerho-Chef Zaijtschenko Deutschlands Politik auf, die Risiken hybrider Angriffe oder technischer Ausfälle im Stromnetz neu zu bewerten. Flugverbotszonen über Umspannwerken und moderne Drohnenabwehr könnten ein aktuell vernachlässigtes Sicherheitsnetz spannen. Die Idee einer gemeinsamen europäischen Notfall-Reserve an Stromnetz-Komponenten drängt sich dabei geradezu auf – denn die jüngsten Angriffe auf kritische Infrastrukturen in mehreren Ländern zeigen, dass selbst Friedenszeiten schnell enden können.
Neue Meldungen betonen: Die Ukraine steht momentan unter drastischem russischen Beschuss, der gezielt Energieinfrastruktur trifft – Experten warnen, dass europäische Staaten sich auf ähnliche Bedrohungen vorbereiten müssten. Übrigens: Das Thema lag in vielen Diskussionen zur europäischen Energiesicherheit schon auf dem Tisch, bekam aber durch die ukrainischen Erfahrungen neue Dringlichkeit. 2024 wurde mehrfach darüber berichtet, dass russische Drohnen und Raketen massive Schäden an Umspannwerken verursachen und Stromausfälle provozieren, die Millionen Menschen treffen. Over-the-horizon-Drohnenabwehr und der Schutz von kritischen Stromanschlüssen sind in anderen Ländern – wie den baltischen Staaten – längst keine Science-Fiction mehr.