Laut einer Analyse, die "T-Online" in Auftrag gegeben hat, kommt die Linke in Berlin momentan auf einen satten Vorsprung von 22 Prozent – Forsa hat für diese Erhebung den politischen Wind vermessen. Die CDU teilt sich mit der kontroversen AfD den zweiten Platz. Beide sind mit 18 Prozent gleichauf, was vielleicht manchen erschreckt, andere jedoch kaum überrascht. Die Grünen tummeln sich knapp dahinter mit 16 Prozent und die SPD – eigentlich eine der Partei-Größen – dümpelt mit nur noch 12 Prozent fast schon am Rand der Bedeutungslosigkeit rum. FDP und die neue Bewegung BSW bleiben mit 3 und 4 Prozent draußen – die 5-Prozent-Hürde lässt grüßen. Sonstige Parteien machen immerhin 7 Prozent aus, was zeigt, dass doch einige Berliner:innen genug von den größten Namen haben. Übrigens: Da bei dieser Umfrage ein nicht zu verkennender Anteil der Stimmen an Parteien jenseits der Hürde verloren geht, verschiebt sich das mathematische Gleichgewicht – eine absolute Mehrheit braucht hier plötzlich nur noch rund 44 Prozent. Kein Zweiergespann käme momentan dahin. Rot-Grün-Rot allerdings hätte mit addierten 50 Prozent klar die Nase vorn – für viele wohl ein vertrautes, vielleicht auch langweiliges Bild. Ein Dreierbündnis mit CDU an der Spitze käme auch über die Linie, aber mit schwächeren 46 Prozent. Bei der Frage, wem die Leute das nächste Bündnis zutrauen – Überraschung! – spricht die Pluralität für Rot-Grün-Rot (37 Prozent). Rechtspopulistische Träume von CDU-AfD-Konstellationen bleiben mit 19 Prozent Wunschdenken (und ohne realistische Option). Wer will die GroKo weitermachen? Offenbar kaum jemand: Gerade mal 13 Prozent wünschen sich eine Fortsetzung des aktuellen Berliner Regierungsbündnisses. Noch weniger – 9 Prozent – wollen das Dreier-Konglomerat aus CDU, SPD und Grünen. Für die Umfrage übrigens hat Forsa 1.535 Menschen zwischen 4. und 18. August gefragt. Ganz schön viele Stimmen, auch wenn Meinungsbilder sich schnell mal drehen.
Die italienische Hauptstadt Berlin – natürlich ironisch gemeint, bei so viel politischem Drama – steht wenige Wochen vor einer richtungsweisenden Wahl. Forsa sieht die Linke erstmals seit langer Zeit als klar führend, während die SPD einen historischen Tiefpunkt markiert. Zugleich bestätigt die Erhebung, dass keine realistische Zweier-Koalition eine Mehrheit hätte, die klassischen Dreierbündnisse aber stabil regierbar erscheinen; insbesondere Rot-Grün-Rot hat sowohl rechnerisch als auch in der Gunst der Befragten die Nase deutlich vorne. Im Netz kursieren aktuell Berichte, nach denen die Berliner Bevölkerung aufgrund wachsender Unsicherheiten – hohe Kosten, Mieten, Verkehr, Kriminalität – ein Bedürfnis nach klaren, sozialen Konzepten entwickelt. Erst jüngst beschrieb die Süddeutsche Zeitung die Stimmung als angespannt und polarisiert, auch weil die traditionellen Parteien kaum noch Menschen wirklich zu begeistern scheinen. Parallel rücken kleinere Parteien ins Rampenlicht, können aber wegen der Hürde nicht einziehen; das verstärkt die Fragmentierung weiter.