Unruhe um Unabhängigkeit der US-Notenbank: Sorgen deutscher und österreichischer Währungshüter

Deutschlands Notenbankpräsident Joachim Nagel und sein österreichischer Kollege Martin Kocher zeigen sich zutiefst alarmiert angesichts wachsender politischer Eingriffe in die Federal Reserve – und mahnen vor möglichen Folgen für die weltweite Stabilität der Geldpolitik.

heute 18:31 Uhr | 4 mal gelesen

Es ist selten, dass Zentralbanker so deutlich werden: Was momentan rund um die US-Notenbank Fed passiert, lässt Nagel und Kocher offenbar nicht kalt. Geradezu erschüttert spricht Nagel davon, dass Attacken auf die Unabhängigkeit der Fed 'ins Mark' gehen – was natürlich nicht nur Bürokratensorgen sind. Powell, der Chef der Fed, sei für ihn ein fachlich und menschlich einwandfreier Typ, was die Sorgen wohl noch größer macht. Kocher zieht einen, wie ich finde, sehr beunruhigenden Vergleich zu den Siebzigern, als mangelnde geldpolitische Unabhängigkeit die Inflation in ungekannte Höhen schießen ließ. Überhaupt klingt aus den Aussagen beider durch: Momentan wäre es riskant, die Leitzinsen allzu hektisch zu verändern – kleine Stabilität, wenig Aktionismus, das sei eher gesund. Übrigens: Für die Sorgen vieler Deutscher, dass das Gold der Bundesbank in den Tresoren der Fed nicht mehr sicher aufbewahrt sei, hat Nagel wenig Verständnis. 'Unser Gold ist gut aufgehoben', beteuert er. Aber an solchen Details sieht man immer mal wieder, wie stark Unsicherheit auch auf Seiten der Bevölkerung zu spüren ist.

Nagel und Kocher warnen eindringlich vor politischen Übergriffen auf die US-Notenbank – mit dem deutlichen Verweis auf historische Fehlentwicklungen wie nach dem Ölpreisschock, als zu große Regierungseinflüsse drastische Inflationsraten begünstigten. Ihre Aussagen spiegeln auch die Bedeutung der globalen Zentralbankunabhängigkeit wider: Politischer Druck auf die Federal Reserve könnte nicht nur die US-Wirtschaft destabilisieren, sondern hätte über internationale Handels- und Finanzströme direkte Auswirkungen auf Europa und den Rest der Welt. Aktuelle Entwicklungen und öffentliche Diskussionen zeigen, dass die Debatte um die Rolle und Sicherheiten von Notenbanken erneut an Brisanz gewinnt – ein mulmiges Signal in ohnehin unsicheren Zeiten. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, dass die Zentralbanken in Europa ihre geldpolitische Zurückhaltung als notwendig betrachten und keine unmittelbaren Zinsanpassungen planen. Reuters weist darauf hin, dass anhaltende Unsicherheit rund um die US-Politik und die Federal Reserve zu vermehrten Spekulationen an den Finanzmärkten führt, was die Eingriffsversuche aus dem Weißen Haus noch bedenklicher macht. Laut Handelsblatt warnen Wirtschaftswissenschaftler davor, dass die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken leidet, wenn ihre Unabhängigkeit eingeschränkt wird – mit langfristigen Risiken für Preisstabilität und wirtschaftliches Vertrauen.

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