Vernünftige Schritte im Chemie-Tarif: Zwischen Krise und Kompromiss

Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts, findet lobende Worte für die jüngste Tarifeinigung in der Chemie- und Pharmabranche und spricht von einer maßvollen Lösung.

heute 16:23 Uhr | 5 mal gelesen

Fuest meint, die Beschäftigten bekommen durch das aktuelle Ergebnis einen Ausgleich für die Inflation – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das sei, fügt er hinzu, letztlich ein Spiegelbild der schwierigen Lage, in der sich die Branche momentan befindet. Die Probleme der Industrie hätten sich zuletzt noch verschärft, angesichts der neuen Unsicherheiten durch den Konflikt im Iran. 'Die Chemie-Tarifpartner sind krisenerprobt', sagt Hagen Lesch vom arbeitgebernahen IW. Ihm zufolge handelt es sich hierbei um einen klassischen Kompromiss: Die Unternehmen gewinnen durch eine längere Laufzeit einen verlässlichen Rahmen für die Lohnkosten und erhalten 2026 eine finanzielle Verschnaufpause. Die Gewerkschaft hingegen kann sich, allerdings erst ab 2027, auf realistische Lohnzuwächse freuen – vorausgesetzt, die wirtschaftliche Entwicklung spielt mit. Insgesamt klingt das alles sehr pragmatisch, fast schon abgezockt.

Der aktuelle Tarifabschluss in der Chemie- und Pharmaindustrie wird von Experten vorsichtig positiv bewertet. Laut einigen Stimmen ermöglicht die Einigung Stabilität und Planungssicherheit in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, spiegelt jedoch gleichzeitig die Schwäche der Branche wider, die unter internationalen Krisen, hohen Energiekosten und Fachkräftemangel leidet. Interessanterweise zeigen aktuelle Recherchen, dass besonders die Beschäftigten Wert auf Arbeitsplatzsicherung und langfristige Perspektiven legen, während Arbeitgeber die moderate Lohnentwicklung betonen – somit herrscht zwischen beiden Polen eine ungewohnte Annäherung, zumindest für den Moment.

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