Viele Frührentner würden länger im Job bleiben – unter bestimmten Voraussetzungen

Drei Viertel der Menschen, die in Deutschland vorzeitig in Rente gegangen sind, wären bereit, noch zu arbeiten – vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen wirklich.

heute 13:05 Uhr | 4 mal gelesen

Eine aktuelle Analyse der Universität Wuppertal im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, über die laut 'Handelsblatt' berichtet wurde, zeichnet ein differenziertes Bild: Obwohl in den letzten Jahren immer mehr Menschen über 60 im Erwerbsleben bleiben, hält sich offenbar in vielen Köpfen das Bild vom „möglichst frühen Ruhestand“. Eigentlich fast ironisch, dass dieser Gedanke gar nicht so universell geteilt wird, wie man vielleicht meint. Studienleiter Martin Hasselhorn merkt dazu an, dass lediglich ein Viertel der befragten Frührentner kategorisch Nein zur Erwerbsarbeit sagen – der Rest ist zumindest offen, je nachdem, was so geboten wird. Auffällig: Rund 20 Prozent arbeiten ohnehin weiter, also Rente hin oder her. Die Arbeit im frühen Rentenalter ist damit überhaupt keine kleine Nische mehr, sondern verbreiteter als viele denken würden. Und wie es oft so ist: Manche wissen erst auf Nachfrage, dass sie etwas wollen. So erklärten knapp 37 Prozent: 'Eigentlich könnte ich mir das schon vorstellen, aber nur unter gewissen Bedingungen.' Insbesondere eine flexible Gestaltung von Arbeitszeit und -umfang wird geschätzt, genauso wie ein angenehmes Miteinander am Arbeitsplatz. Arbeit als Frührentner? Ist heute alles andere als exotisch.

Frührente ist in Deutschland weiter verbreitet, aber das Bild vom 'kompletten Rückzug' stimmt offenbar nicht mehr. Natürlich gibt es die klassischen Ablehner, die keinen Schritt mehr ins Büro setzen wollen – aber drei Viertel der Frührentner würden bei passenden Konditionen wieder mitmachen. Die Studie hebt hervor, wie sehr eine selbstbestimmte Einteilung und gutes Sozialklima ausschlaggebend sind. Quer durch verschiedene Medien zeigen sich Debatten, ob und wie ein verlängertes Arbeitsleben möglich, nötig oder gar wünschenswert ist. Seit der Veröffentlichung der Studie werden auch Verbesserungen bei Zuverdienstmöglichkeiten, Flexibilität im Übergang sowie stärkere Anreize diskutiert – etwa steuerliche Vorteile oder eine Aufwertung der Teilzeit- und Minijob-Modelle (siehe taz, FAZ und Zeit). Darüber hinaus weisen diverse Artikel darauf hin, dass Demographie, Fachkräftemangel und veränderte Vorstellungen vom „guten Leben“ neue Modelle des Altersarbeitsmarktes beinahe unausweichlich machen.

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