Vier Jahrzehnte nach Tschernobyl: Greenpeace demonstriert für Hilfe beim Wiederaufbau nach Drohnenangriff

Tschernobyl/Ukraine – 14.04.2026. Vor dem Jahrestag der Katastrophe demonstrieren Greenpeace-Aktivist:innen mit einem 'Stand With Ukraine'-Banner direkt an der ikonischen Ruine. Der russische Drohnenangriff hat die Schutzstruktur schwer getroffen – große Teile der Isolierschicht sind zerstört, Kondenswasser bedroht das ohnehin marode Bauwerk. Die fortschreitenden Risiken beschreibt ein ausführlicher Greenpeace-Bericht.

heute 06:04 Uhr | 6 mal gelesen

Vor Orte zu stehen, wo Geschichte brennt – im wahrsten Sinne – das ist eine Erfahrung, die viel mehr ist als bloße Symbolik. "Atomkraft – das bleibt ein Damoklesschwert", meint Heinz Smital, der sich seit Jahren für Greenpeace mit Atomfragen beschäftigt. Nach neueren Angriffen auf die Tschernobyl-Schutzhülle sei klar: Wenn man solche Anlagen im Krieg ins Visier nimmt, spielt man mit dem Feuer, und zwar buchstäblich und im übertragenen Sinne. Greenpeace fordert daher ganz ausdrücklich internationale Unterstützung für eine sofortige Sanierung – zu groß sei das Risiko eines weiteren Super-GAUs, sollte Wasser weiter in den Sarkophag eindringen und die Konstruktion destabilisieren. Allerdings – und das ist überraschend optimistisch – laufen im Schatten dieser Bedrohung neue Projekte. Solarenergieanlagen auf dem ehemaligen Werksgelände sollen zukünftig unabhängig vom oftmals zusammenbrechenden Stromnetz Strom liefern. Die Idee: Dezentral Energie erzeugen, autonom bleiben, niemanden mehr erpressbar machen. Abseits der Betonhülle gibt es aber noch ein weiteres, oft übersehenes, Problem: Den alten, riesigen Kühlwassersee. Jahrzehntelange Belastung hat hier radioaktive Rückstände ins Sediment gespült. Experten warnen, dass das Austrocknen des Sees potenziell gefährlich ist – radioaktive Partikel könnten verteilt werden, ein weiteres schwer kalkulierbares Kapitel im ewigen Nachspiel von Tschernobyl. Das Fazit von Greenpeace: Man darf der Ukraine nicht zumuten, diese Bürde – neben dem Krieg – auch noch alleine zu stemmen.

Greenpeace-Aktive lenken mit einer Protestaktion vor Ort den Blick auf die brisante Situation rund um den zerstörten Sarkophag von Tschernobyl. Hintergrund ist ein russischer Drohnenangriff, der die äußere Schutzschicht schwer beschädigt hat; damit steigt das Risiko für weitere Umweltschäden und einen Austritt radioaktiver Stoffe drastisch. Als eine Reaktion darauf will die ukrainische Seite die Energieversorgung vor Ort mit Solarstrom absichern, um die Sicherheit der Anlage nicht von der schwankenden Versorgung aus dem Netz abhängig zu machen. Überraschend ist, dass trotz vier Jahrzehnten seit dem Unglück viele radioaktive Altlasten – etwa die Sedimente im fast ausgetrockneten Kühlwassersee – bis heute nicht wissenschaftlich ausreichend bewertet oder gesichert sind. Laut aktuellen Medienberichten mehren sich in deutschen und internationalen Medien Stimmen, die vor einer politischen Instrumentalisierung von Atomkraft im Krieg warnen und verstärkt internationale Eingreiftruppen für die Sicherung solcher Standorte fordern. Im Ukrainekrieg war die gezielte Bombardierung ziviler und kritischer Infrastrukturen zuletzt immer wieder Thema, auch im Zusammenhang mit anderen AKW-Standorten. Die aktuelle Schwäche der Schutzhülle und die damit verbundenen Risiken werden in mehreren jüngsten Analysen als Anlass für dringendes Handeln und internationale Kooperation gewertet.

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