Erstaunlich, wie verführerisch so ein trügerisch ruhiger, schneebedeckter See aussehen kann, nicht wahr? Dabei schlummert unter der Oberfläche oft ein Risiko, das viele unterschätzen. "Nur weil’s gefroren aussieht, ist es noch lange nicht stabil genug", bringt es Philipp Pijl von der DLRG auf den Punkt – und ich verstehe, warum. Ein paar kalte Nächte machen noch kein sicheres Eis. Schnee wirkt wie ein Tarnumhang, deckt Luftlöcher und Schwachstellen zu und isoliert sogar gegen weiteren Frost. Und dann gibt’s noch die Sache mit den unterirdischen Zuflüssen – was hilft da die dickste Eisplatte, wenn irgendwo wärmeres Wasser nachströmt? Tatsächlich wechselt das Eis seine Beschaffenheit ständig: Tagsüber Plusgrade, nachts Frost – das ergibt im Idealfall Schichtkuchen, im schlimmsten Fall brüchige Eisschollen.
Die DLRG ist da klar: Bloß nicht einfach drauflosspazieren, sondern vorsichtig sein – gerade bei Bächen oder Flüssen empfiehlt sich besondere Zurückhaltung. Erst ab 15 Zentimetern Dicke auf stehenden, beziehungsweise 20 cm auf fließenden Gewässern, wird’s halbwegs sicher (und diese Zahlen werden viel zu oft ignoriert). Und übrigens: Warnsignale wie dunkle Stellen, knisternde Geräusche oder gar Wasserlachen auf dem Eis sind absolute Stoppschilder.
Sollte doch etwas passieren - der Albtraum jedes Wintersportliebhabers – gilt es, ruhig zu bleiben. Nicht zappeln, sondern das Gewicht flach verteilen und sich möglichst langsam in Bauchlage ans Ufer schieben. Wer helfen will, sollte nicht übermütig werden; lieber schnell Verstärkung holen, sonst droht doppeltes Unglück.
Interessant fand ich noch, dass gerade Kinder und – so ehrlich muss man sein – Männer laut DLRG besonders gefährdet sind. Kinder unterschätzen, Männer überschätzen sich. Und Zugezogene aus anderen Ländern oder wärmeren Regionen kennen das Risiko oft gar nicht. Reden hilft, sagt Pijl, und zwar am besten, bevor das Eis ruft.
Weitere Hinweise und Warnhinweise kann sich übrigens jeder auf der DLRG-Seite in mehreren Sprachen holen – vorbeischauen kann nie schaden.
Apropos DLRG: Über 55.000 ehrenamtliche Retter stehen bereit, viele haben selbst schon zu frostigen Zeiten Leben gerettet. Ein beruhigender Gedanke – aber ein Grund, weniger aufzupassen, ist das sicher nicht.
Jedes Jahr im Winter geraten Menschen auf deutschen Gewässern in Gefahr, weil sie das Eis unterschätzen. Trotz frostigen Wetters warnt die DLRG in diesem Jahr besonders vor der unsicheren Tragfähigkeit neu gebildeter Eisdecken: Einige Tage Minusgrade reichen eben nicht aus, damit das Eis dick und stabil genug ist. Laut aktuellen Medienberichten gibt es bereits erste Zwischenfälle und zahlreiche Einsätze der Rettungskräfte. Laut dem DWD wechseln in dieser Woche vielerorts die Temperaturen, was das Risiko instabiler Eisflächen erhöht. Besonders gefährdet sind Kinder, aber auch Erwachsene unterschätzen die Gefahr – oft mit fatalen Folgen. Die DLRG verstärkt daher ihre Aufklärungsarbeit und stellt zusätzlich in mehreren Sprachen Informationsmaterial bereit, um auch neue Mitbürger zu erreichen. Weitere Details werden auf den Nachrichtenseiten taz.de, spiegel.de und zeit.de diskutiert, wo aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit winterlichen Wetterlagen und deren Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit intensiv erörtert werden.