Es ist schon kurios: Überall wird gefordert, Deutschland müsse wieder auf Wachstumskurs gehen, aber fragt man die Leute, die wirklich am Band, im Büro oder Hybrid schuften, erntet man skeptische Blicke. Das Randstad Arbeitsbarometer macht da kein Hehl draus: Beschäftigte und Arbeitgeber stehen in Sachen Konjunktur-Optimismus auf verschiedenen Inseln. 50 Prozent der Arbeitnehmer suchen aktiv das Gespräch mit ihrer Führungskraft – und trotzdem verschweigen fast genauso viele alltägliche Sorgen aus Furcht vor Jobverlust. Klingt irgendwie nach einer paradoxen Vertrauenskultur: Nähe und Dialog werden eingefordert, aber beim ersten Wackler hält man lieber den Mund. Immerhin: Die allermeisten Beschäftigten schätzen ihre direkten Vorgesetzten und glauben, das Wohl des Teams liege ihnen am Herzen. Der Chef wird damit zum Anker in stürmischen Zeiten.
Henri Viswat, CEO von Randstad Deutschland, bringt das Dilemma selbst auf den Punkt: Vertrauen ist nichts, das einfach so vom Himmel fällt, sondern muss aktiv gepflegt werden. Offene Fragen, Unsicherheiten, ein bisschen Misstrauen – das alles wuchert derzeit durch Büros und Fertigungshallen. Im Kern bleibt, dass sich viele nach stabilen, ehrlichen Beziehungen sehnen, aber die Furcht vor Konsequenzen zu stummer Zurückhaltung verleitet. Wenigstens unter Kollegen bleibt das Vertrauen stark und sorgt im Alltag für eine gewisse Solidität. Was bleibt, ist ein Arbeitsmarkt im Schwebezustand.
Das Randstad Arbeitsbarometer befragt regelmäßig zehntausende Menschen in über 30 Ländern zu Jobsicherheit, Zusammenarbeit und Zukunftserwartungen. Dieses Jahr nahmen über 27.000 Beschäftigte weltweit teil, davon rund 1.000 in Deutschland – erstmals wurden auch mehr als 1.200 Chefs interviewt, und über 3 Mio. Stellenanzeigen ausgewertet. Randstad selbst? Mit 32.200 Mitarbeitenden und einem Netzwerk von 440 Niederlassungen bleibt der Personaldienstleister eine feste Größe in Deutschlands Joblandschaft. Jahr für Jahr bringt Randstad Millionen Talente und Unternehmen zusammen – immer auf der Suche nach Fortschritt, manchmal, so ehrlich muss man sein, aber auch nach dem kleinen Funken Optimismus im Alltag.
Die Ergebnisse des aktuellen Randstad Arbeitsbarometers zeigen eine wachsende Diskrepanz zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten, was die Zuversicht für das Wirtschaftswachstum betrifft: Während Arbeitgeber in der Mehrheit eine Positiv-Tendenz sehen, äußert mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland Zweifel an einer baldigen wirtschaftlichen Erholung. Gründe hierfür reichen von aktuellen Inflationssorgen über geopolitische Unsicherheiten bis hin zu stockenden Innovationen und Umbrüchen auf dem Arbeitsmarkt – Stichwort Fachkräftemangel oder ungewisse Digitalisierung. Für viele bleibt der alltägliche Spagat zwischen Gesprächsbereitschaft und Schweigen angesichts von Existenzängsten eine Herausforderung; gleichzeitig werden moderne Führungskräfte als Stabilisatoren wichtiger denn je. Laut Berichten aus der Wirtschaftspresse spitzt sich die Debatte rund um Standortprobleme Deutschlands, hohe Energiekosten und Unsicherheit durch globale Krisen weiter zu – was das Klima in deutschen Firmen zusätzlich belastet (siehe u.a. Analysen auf www.faz.net und www.spiegel.de). Hinzu kommt, dass sich viele Unternehmen selbst mit Strategien zur Mitarbeitermotivation, flexibler Arbeit und Resilienztraining beschäftigen, da die Verunsicherung am Arbeitsmarkt weiterhin groß bleibt.