WDR räumt bei Grimme-Preis-Nominierungen 2026 ab – Neun Produktionen im Rennen

Gleich neun Produktionen des WDR stehen dieses Jahr auf der Vorschlagsliste für den Grimme-Preis 2026. Unter den insgesamt 71 nominierten Formaten entscheiden die Jurys im März, wer aus diesem Pool die begehrten Trophäen mit nach Hause nimmt.

heute 14:15 Uhr | 2 mal gelesen

Schon wieder schafft es der WDR, ordentlich Staub aufzuwirbeln: Neun Nominierungen beim 62. Grimme-Preis – das muss man erst einmal nachmachen. Bemerkenswert ist die Bandbreite: Im Bereich Fiktion konkurrieren etwa zwei sehr unterschiedliche Beiträge. Die Dramaserie „naked“ setzt sich mutig mit so sperrigen Themen wie Sexsucht und emotionaler Abhängigkeit auseinander. Kopfzerbrechen beim Zuschauen garantiert, weil alles ungewohnt ehrlich und intensiv gezeigt wird. Der zweite Beitrag, der vierstündige Film "Die Ermittlung" (nach Peter Weiss' Bühnenstück), gräbt sich in die kollektive Erinnerung ein – Auschwitz, Prozesse, Schmerz verdichtet zu einer beeindruckenden filmischen Anklage gegen das Vergessen. Weiter im Rennen: Zwei Nominierungen gab’s in der Sparte Information & Kultur. Am meisten diskutiert wird wohl aktuell die Doku über Dr. Winterhoff, den ehemals gefeierten Kinderpsychiater, dessen Methoden heute vor Gericht stehen. Die Recherche-Reise bis zur Anklage liest sich fast wie ein Krimi. Daneben zerlegt Regisseur Andres Veiel in „Riefenstahl“ den Mythos der berühmt-berüchtigten NS-Filmemacherin beinahe Szene für Szene und liefert neue Blickwinkel auf einen alten Streitfall. Bei Kinder & Jugend bringt der WDR gleich vier Formate ins Spiel: Die „Maus“ entdeckt das Leben des jüdischen Malers Felix Nussbaum; der Film „Sieger sein!“ erzählt, wie Integration auf dem Fußballplatz funktioniert; „Azubi Storys“ folgt jungen Menschen beim Start ins (Berufs-)Leben; und der Dokumentarfilm über Lutwi, der erwachsen werden will, wirft ein echtes Licht auf den Alltag migrantischer Jugendlicher – alles echt, manchmal sperrig, nie langweilig. Als wäre das alles nicht genug, geht auch noch eine Unterhaltungssendung mit ins Rennen: „Sträters Problemzonen“ – Torsten Sträter schreitet augenzwinkernd gegen Alltagsabsurdidäten und Lebenskrisen vor, flankiert von Comedy-Schwergewichten wie Martina Hill. Fragt man sich fast, wie die Jury da eigentlich den Überblick behalten soll. Ab 31. Januar entscheidet sie in Marl, wie viele der 16 möglichen Preise der WDR 2026 wohl absahnen wird.

Der WDR zählt zu den Favoriten des 62. Grimme-Preises, mit neun Nominierungen in einem erstaunlich breiten Spektrum von Fiktion über Doku, Kinder- und Jugendsendungen bis hin zur Unterhaltung. Besonders beachtet werden kontroverse Formate über gesellschaftliche Tabuthemen und historische Aufarbeitung, die neue Blickwinkel bieten und manchmal Debatten anstoßen – wie die Auseinandersetzungen um Dr. Winterhoff oder Leni Riefenstahl. In diesem Jahr setzen viele Nominierte auf mutige Stoffe und Nahbarkeit, zugleich liegt der Fokus spürbar auf gesellschaftlich relevanten Themen: Integration, Erinnerungskultur, Gerechtigkeit und Diversität. Die diesjährigen Einreichungen spiegeln eine Tendenz wider, gesellschaftliche Realitäten nicht zu beschönigen, sondern sie mit all ihren Brüchen ins Scheinwerferlicht zu ziehen. Ergänzend zeigt die aktuelle Presserecherche, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für Dokumentarisches und kritische Stoffe im Unterhaltungsformat weiter wächst (siehe etwa das anhaltende Medieninteresse an Dossiers über Kindeswohl und Aufarbeitung im Gesundheitswesen, wie auf www.sueddeutsche.de sowie www.zeit.de aus jüngsten Artikeln zu entnehmen ist). Außerdem werden Fragen nach der Zukunft kultureller Bildung und gesellschaftlicher Vielfalt verstärkt diskutiert – nicht nur im TV, sondern auch in Diskursen etwa auf Perspektive Daily oder Krautreporter. Wenige Tage vor der finalen Jurysitzung bleibt damit die Spannung, wie sich der gesellschaftliche Widerhall auf die Juryentscheidungen auswirkt.

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