Otte zeigte sich im Gespräch mit dem Berlin Playbook Podcast von POLITICO besorgt über die anhaltende Überlastung der Truppe. Sein Credo: Weniger Zerreißprobe, mehr Konzentration auf den ureigenen Auftrag – Verteidigung des eigenen Territoriums und das Bündnis. Der CDU-Politiker regt an, bestehende Auslandsmandate gründlich abzuklopfen, etwa wie in Südsudan. Nicht jede strategische Präsenz müsse zwangsläufig heißen, dass deutsche Soldaten dauerhaft vor Ort ausbilden. Mehr Flexibilität statt starrer Automatismen sei gefragt.
Der Irak-Einsatz? Nachdem erst Mandate verlängert wurden und dann Soldaten nach Eskalationen evakuiert werden mussten, gibt Otte zu: "Es regt durchaus zum Nachdenken an", wenngleich er das Parlament nicht direkt kritisiere.
Auch bei der neuen Wehrdienstreform plädiert er für Atemholen: Nur kein Aktionismus, jetzt müssten erstmal nachvollziehbare Strukturen entstehen – Musterungen, Organisation und alles, was dazugehört. Sollte sich in zwei Jahren herausstellen, dass der Personalaufwuchs nicht reicht, müsse die Debatte eben erneut geführt werden.
In Bezug auf eine mögliche Friedensmission in der Ukraine mahnt Otte vor allzu eiligen Zusagen. Deutschland solle hilfreich sein, aber keine konkreten Zusicherungen machen, um nicht Druck von anderen Partnerländern zu nehmen. Grundsätzlich fordert er – nach einem Austausch mit Innenminister Dobrindt – eine verstärkte Verzahnung von militärischer Planung und ziviler Vorsorge. Gesamtverteidigung, meint Otte, sei Aufgabe aller, nicht nur der Armee.
Am Rande: Oft fragt man sich, wie viele Themen man gleichzeitig jonglieren kann. Gelegentlich ist weniger eben doch mehr – zumindest, wenn es um internationale Verantwortung geht.
Henning Otte fordert einen drastischen Kurswechsel bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr und pocht auf eine kritische Neubewertung aller laufenden Mandate. Während der Fokus klar auf Landes- und Bündnisverteidigung gelenkt werden soll, mahnt Otte bei der Wehrdienstreform vor zu schnellem Handeln und fordert, bei der Verstärkung das Personal- und Organisationsthema nicht zu überstürzen. In der Debatte um Auslandseinsätze und mögliche Ukraine-Friedensmissionen spricht er sich klar gegen vorschnelle oder zu spezifische Zusagen aus und setzt dafür auf ein ganzheitliches Verteidigungskonzept, das militärische und zivile Ebenen stärker verschränkt.
Durch eine aktuelle Recherche wurde die Diskussion um die Aufgaben der Bundeswehr durch verstärkte Forderungen nach einer nachhaltigen Finanzierung und konkreteren Zielvorgaben erweitert. Viele Medien berichten zudem über die Herausforderungen der nötigen infrastrukturellen und personellen Aufrüstung (z. B. im Bereich Wehrpflicht und Musterungen) sowie über die Risiken, die mit einer Überdehnung deutscher Einsatzkräfte im Ausland verbunden sind.