Union und SPD haben einen Kompromiss zur geplanten Wehrpflicht erzielt: Statt einer allgemeinen Verpflichtung soll mittels eines Fragebogens eine Vorauswahl getroffen und dann ein Teil der jungen Männer per Losverfahren für Musterung und gegebenenfalls Wehrdienst herangezogen werden. Sollten sich nicht ausreichend Freiwillige melden, wird der geloste Anteil verpflichtend für mindestens sechs Monate zum Dienst eingezogen – ein Modell, das sich an Dänemark orientiert, wo die Wehrpflicht durch Los entschieden wird. Die Koalitionsfraktionen erwarten sich von diesem Verfahren mehr Effizienz und Wehrgerechtigkeit und wollen den Kompromiss zeitnah öffentlich machen, jedoch ist das endgültige Okay von Verteidigungsminister Pistorius noch unsicher. Anders als etwa bei der Debatte um das Bürgergeld oder das Heizungsgesetz gibt es größeren Konsens zwischen den Fraktionen, doch auch Stimmen aus der Bundeswehr selbst mahnen, die Kapazitäten für Ausbildung und Unterbringung seien dringend zu klären. Laut Recherche aus der Süddeutschen Zeitung fordern Experten einen Ausbau der Strukturen und mehr gesellschaftliche Debatte, während in der Schweiz und Skandinavien die Wehrpflicht weiter an gesellschaftlichen Rückhalt gewinnt. Pistorius betonte zuletzt, dass die Wehrpflicht eher als Notreserve gedacht sei und die Modernisierung der Bundeswehr Vorrang habe.
12.10.25 17:50 Uhr