Ob Merz höchstpersönlich oder jemand aus seiner Umgebung sich über das fragliche Foto beschwerte, ließ Julia Becker offen. In einem Podcast mit Paul Ronzheimer schimmerte durch, dass ihr indirekt vorgeworfen wurde, sie habe Merz absichtlich in keinem schmeichelhaften Licht dastehen lassen. Das Foto, das in der "Westfalenpost" – einem Blatt der Funke-Mediengruppe – erschien, zeigte Merz vermutlich etwas angestrengt beim traditionellen Weihnachtsbaumschlagen. Becker selbst findet: 'Da macht Herr Merz eine prima Figur.' An ihrem Standpunkt änderte auch der Ärger aus dem Merz-Lager nichts: Für die Auswahl und Veröffentlichung solcher Fotos sei ausschließlich die Redaktion verantwortlich – und nicht die Verlegerin. Sie verwies Beschwerden stets dorthin und hielt sich raus. Im Grunde, so klingt es heraus, ist das Mediengeschäft manchmal eben auch eine Schule der Gelassenheit. Oder, wie sie anmerkt: 'Ich kann nichts dafür, wie authentisch jemand auf einem Bild wirkt.'
Die Debatte um das Weihnachtsbaum-Foto spiegelt die häufige Spannung zwischen prominenten Politikern und Medien wider, wenn es um Bildberichterstattung geht. Interessant ist Beckers Haltung, sich aus redaktionellen Entscheidungen herauszuhalten und Beschwerden an die zuständigen Stellen weiterzuleiten – eine durchaus klassische Praxis in Medienhäusern, auch um politische Einflussnahme abzuwehren. Ergänzend ist aktuell zu beobachten, wie der Umgang mit Politikerbildern, Social-Media-Auftritten und die Macht von Symbolbildern im Politbetrieb weiterhin viel diskutiertes Thema bleibt, was sich unter anderem darin zeigt, dass Medien und Politiker gleichermaßen versuchen, Bildbotschaften aktiv für oder gegen ihre öffentliche Wahrnehmung zu nutzen.