Wenn der Winter schwer wiegt: Wie Eltern Jugendliche mit seelischen Herausforderungen begleiten können

Gerade in den dunklen Monaten scheint es, als würde die Stimmung vieler Jugendlicher noch sprunghafter: Rückzug, Gereiztheit, alles wirkt irgendwie ein wenig überbelichtet und zugleich ins Düstere getaucht. Eltern stehen oft ratlos daneben und fragen sich: Ist das noch ein harmloser Stimmungstief, oder braucht mein Kind vielleicht mehr Unterstützung als bisher gedacht? Wer nicht einfach abwarten mag, sondern genauer hinsehen will, findet hier Anregungen, um die kalte Jahreszeit gemeinsam besser zu durchstehen.

heute 12:52 Uhr | 3 mal gelesen

Der erste Monat eines jeden Jahres – kurze Tage, graue Luft, das Weihnachtsglitzern ist Vergangenheit. Nicht nur Erwachsene spüren diese Schwere; bei Jugendlichen zeigen sich in dieser Zeit oft besonders deutliche Veränderungen. Die Kombination aus hormonellem Chaos, Selbstfindung und winterlicher Düsternis ist für viele schwer auszuhalten. Kleine Eigenheiten werden dann plötzlich zu dauerhaften Begleitern, Unsicherheiten tauchen auf und man fragt sich: Gehört das so oder ist da mehr dahinter? Tatsächlich verschwimmen die Grenzen gern mal. Klar, Pubertät bedeutet Schwankungen. Aber wenn sich Rückzug, Antriebslosigkeit, Schlaflosigkeit oder extreme Stimmungslagen über Wochen halten und Alltag wie Beziehungen ins Wanken geraten, lohnt es sich, wachsam zu bleiben, ohne direkt in Alarmismus zu verfallen. Die Liste der Signale ist lang, aber treffend sind: Rückzug (plötzliche Kontaktarmut), starke Überreaktionen auf Kleinigkeiten, auffällige Schlaf- und Essgewohnheiten, Desinteresse an gewohnten Aktivitäten und seltsame körperliche Beschwerden. Klingt viel? Ist es auch. Aber meist hilft schon, aufmerksam dabei zu bleiben, anstatt akribisch alles zu analysieren. Wichtig: Eltern sind keine Superhelden. Sie müssen keine fertigen Lösungen präsentieren oder Expertenwissen haben. Es genügt oft, ehrlich sagen zu können: "Ich merke, irgendwas beschäftigt dich." Zuhören, nicht drängen und dennoch präsent bleiben – da steckt oft mehr hinter, als man meint. Es gibt keine Patentrezepte – aber ein paar Grundimpulse, die Jugendlichen tatsächlich nützen: Den Druck rausnehmen (keiner muss jeden Tag top sein), Rückzugsräume gewähren und trotzdem Zeichen der Nähe setzen, Medienzeiten fair aushandeln, kleine Wahlfreiheiten geben und Bewegung einfach einbauen – es muss kein Marathon sein; manchmal reicht schon der gemeinsame Gang zum Bäcker. Fachleute sehen immer wieder: Zwei Dinge sind entscheidend – echte emotionale Anerkennung und eine Form von geordnetem Alltag. Keine gläsernen Mauern, keine rigiden Pläne. Einfach Verlässlichkeit und das stille Versprechen: Du musst nicht alles allein tragen, aber es ist okay, wenn ich nicht alles löse. Wer sich stabil oder wenigstens gehalten fühlt, kann viel leichter wieder auftauchen. Und falls sich die Belastung festkrallt: Es ist kein Makel, Hilfe anzunehmen – im Gegenteil. Psychologische Beratung oder therapeutische Unterstützung ist wie ein gutes Werkzeug für schwierige Zeiten, nicht das berühmte letzte Mittel. Wer zu lange zögert, trägt oft doppelt schwer an den eigenen Sorgen. Auch das gehört dazu: Eltern dürfen (und sollten) Unsicherheit aushalten – und das auch mal eingestehen. Das wirkt oft befreiender, als man denkt.

Die Winterzeit verlangt Jugendlichen und ihren Familien oft besonders viel ab. Stimmungsschwankungen, Rückzug und Veränderungen im Alltag sind meist normal, aber wenn diese Symptome anhalten oder sich zuspitzen, sollten Eltern aufmerksam bleiben und notfalls professionelle Hilfe suchen. Aktuelle Stimmen aus der Wissenschaft betonen die Rolle stabiler Routinen, einen flexibel erlaubten Rückzug, offene Kommunikation sowie regelmäßige Bewegung für Jugendliche – gerade auch angesichts steigender Zahlen psychischer Erkrankungen in dieser Altersgruppe. Neue Forschungsergebnisse unterstreichen, dass schon kleine Alltagsanpassungen die Resilienz junger Menschen stärken, beispielsweise durch kurze, gemeinsame Aktivitäten oder verbindliche Mahlzeiten. Die Pandemie und die daraus resultierenden sozialen Einschränkungen haben Spuren bei Jugendlichen hinterlassen – Psychologen und Sozialpädagogen sehen weiterhin erhöhten Unterstützungsbedarf. Aktuelle Medienberichte heben hervor, dass die Zahl der Hilfeanfragen für Kinder- und Jugendtherapien steigt und dass es zusätzliche Angebote wie digitale Beratungen und Peer-Programme gibt, die niedrigschwellig Zugang zu Unterstützung eröffnen.

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