Wirtschaftsexperten üben scharfe Kritik an Annäherung der Familienunternehmer an AfD

Angesehene Ökonomen werfen dem Verband der Familienunternehmer vor, durch seine geänderte Haltung zur AfD wirtschaftspolitische Risiken zu begünstigen und warnen vor möglichen schwerwiegenden Folgen.

heute 11:21 Uhr | 24 mal gelesen

Ein rauer Wind weht dem Verband der Familienunternehmer derzeit von Seiten namhafter Ökonomen entgegen – Grund: Die Führung des Verbandes scheint die politische Distanz zur AfD ein Stück weit aufzuweichen. Jens Südekum, der als Wirtschaftsberater von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) arbeitet, sagte im Gespräch mit dem "Handelsblatt", sie machten sich damit bloß zum "Steigbügelhalter der Rechtspopulisten". Eine echte politische Diskussion mit AfD-Vertretern hält er schlicht für unmöglich: Die Partei verspreche, was das Zeug hält, ohne wirtschaftliche Substanz. "Was da an Programmatik präsentiert wird – klangvoll, aber inhaltlich ein Vakuum!", so Südekum, der befürchtet, dass die AfD auf die Forderungen der Familienunternehmer ganz nach Bedarf eingehe, ohne tatsächlich eine tragfähige Linie zu vertreten. Auch Achim Truger, Mitglied der Wirtschaftsweisen, schlägt genau in diese Kerbe. Er frage sich ehrlich, wie der Verband der Familienunternehmer hoffen könne, die AfD würde etwas Konstruktives für die deutsche Wirtschaft beitragen. Die Partei entwerfe einen bunten Strauß wirtschaftlicher Versprechen: Erhöhung des Rentenniveaus, Steuersenkungen, mehr Fördergelder – zur Gegenfinanzierung aber kein einziges konkretes Wort. Schon jetzt, so Südekum, würden diese Pläne ein massives Milliardenloch in den Staatshaushalt reißen, gäbe man ihnen nach. Vollends besorgniserregend aus Sicht der Ökonomen: Die AfD spielt auch mit dem Gedanken, Deutschland aus der EU zu ziehen. Das sei für die exportorientierte deutsche Industrie de facto ein "Todesstoß," wie Südekum es umschreibt. Und beim Thema Arbeitskräftemangel steht die Partei laut Truger mit ihrem migrationskritischen Kurs geradezu im Widerspruch zu den realen Bedürfnissen der Unternehmen. Kurz: Wer auf die AfD zugeht, so der Tenor, spielt mit dem Feuer – nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch. (Ach, und dass die Familienunternehmer das wirklich wollen, bezweifeln die Experten ohnehin.)

Der Kurswechsel des Verbands der Familienunternehmer in Richtung Dialog mit der AfD stößt bei Wirtschaftsexperten auf massives Unverständnis und Kritik. Sowohl Jens Südekum als auch Achim Truger bezweifeln, dass die AfD wirtschaftliche Kompetenz besitzt, kritisieren die fehlende Finanzierungsstrategie ihrer Versprechen und warnen eindringlich vor einem möglichen Austritt Deutschlands aus der EU, der für die Industrie katastrophale Folgen hätte. Hinzu kommt, dass die AfD beim Thema Fachkräftemangel keinen praktikablen Lösungen anbietet, sondern durch migrationsfeindliche Positionen den realen Bedarf der Wirtschaft ignoriert. Erweiterte Einordnung: Die Debatte ist aktuell und emotional aufgeladen, denn auch vor dem Hintergrund der bevorstehenden Europawahlen verschärft sich der Ton: Zahlreiche Wirtschaftsverbände und Politiker sehen in der AfD eine Bedrohung für den liberalen Wirtschaftsstandort Deutschland, wie jüngste Kommentare in "Zeit", "FAZ" und "taz" illustrieren. Die Diskussion dreht sich außerdem um die Frage, wie Wirtschaftsverbände politische Neutralität mit gesellschaftlicher Verantwortung in Einklang bringen, und ob ein Dialog mit populistischen Parteien grundsätzlich auszuschließen ist.

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