Jede Art der Nachgiebigkeit gegenüber Donald Trump sei fehl am Platz, meint CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter. Im Gegenteil, Europa müsse Entschlossenheit zeigen – sollte Trump tatsächlich in Sachen Grönland oder Handel so provozieren, wie befürchtet wird, wäre aus Sicht der CDU ein europäischer Boykott der Sommer-Weltmeisterschaft in den USA ein starkes Signal. Auch Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unions-Fraktion, brachte das als letzter Ausweg ins Spiel. Immerhin: Die Fußball-WM läuft vom 11. Juni bis 19. Juli fast komplett in den Vereinigten Staaten, und Europa ist mit vielen Hochkarätern vertreten – blieben die weg, würde das Turnier kräftig an sportlicher Attraktivität einbüßen.
Die SPD bleibt davon unbeeindruckt. Ralf Stegner – wenig überraschend – warnt, was Boykotts im Sport angeht: Am Ende träfe das Fans und Spieler, kaum aber die Politik. Stattdessen brauche es mehr konsistente europäische Antworten – wobei er mit Seitenhieb auf Politiker wie Nato-Chef Mark Rutte und Fifa-Boss Gianni Infantino die aktuellen Fähigkeiten daran zweifelt. Eine Digitalsteuer gegen US-Konzerne wäre aus seiner Sicht das härtere Mittel.
Auch Adis Ahmetovic, SPD-Außenpolitiker, hält vom Boykott wenig und setzt eher auf Dialog und neue Partnerschaften am Spielfeldrand. Der DFB gibt sich bislang still – zu heikel, zu unklar die Situation gerade. Wer weiß schon, wie die nächsten Monate verlaufen.
Im aktuellen Streit um Grönland als politisches Zankapfel denkt die CDU laut über einen Fußball-WM-Boykott in den USA nach, falls Donald Trump seine Drohungen wahrmacht oder einen Handelsstreit vorantreibt. Die SPD hält nicht viel davon und meint, das würde eher die Sportbegeisterten und Teams bestrafen als die US-Politik – sie plädiert für wirtschaftliche Maßnahmen wie eine Digitalsteuer. Währenddessen halten sich andere Akteure, etwa der DFB, öffentlich zurück, wohl auch, weil die transatlantische Lage sehr fragil ist.
Aktuell zeigen sich in der deutschen Politik zunehmende Risse in Bezug auf die Strategie gegenüber den USA, vor allem angesichts der Unvorhersehbarkeit von Trumps außenpolitischem Kurs. In der internationalen Berichterstattung wird hervorgehoben, dass massive Sportsanktionen bisher selten wirkungsvoll waren; zugleich mehren sich die Stimmen, die auf langfristige Auswirkungen für die europäisch-amerikanischen Beziehungen hinweisen. Zuletzt gab es deutliche Hinweise darauf, dass die EU-Kommission sich gezielt auf weitere wirtschaftliche Gegenmaßnahmen vorbereitet, unabhängig von sportlichen Symbolaktionen.