Nathalie Wappler und Peter Müller stoßen zum neuen Medienrat

Frankfurt/Main – Mit der Wahl von Nathalie Wappler und Peter Müller hat die Gremienvertreterkonferenz (GVK) am 19. Januar 2026 bei ihrer ersten Sitzung den Medienrat komplettiert. Jetzt ist das sechsköpfige Team, das die Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überwacht, wieder voll besetzt.

20.01.26 16:10 Uhr | 3 mal gelesen

Wer schon einmal dabei war, wenn Gremien tagen, kennt die Mischung aus Bürokratie und Menschlichkeit, aus Sitzungsordnung und leisen Zwischentönen. Diesmal war es die GVK, die zwei markante Namen in den Medienrat hob: Nathalie Wappler, die gleichermaßen die Feinheiten und Eigenheiten des Rundfunks in der Schweiz wie in Deutschland kennt, und Peter Müller, ein altgedienter Jurist und ehemaliger Verfassungsrichter, dessen Entscheidungsgespür anerkannt ist. Der Vorsitzende der GVK, Klaus Sondergeld, hob in typischer Gremienrhetorik hervor, dass Wappler als ausgewiesene Expertin das Gremium „aus der Praxis wie auch mit dem Blick von außen“ bereichern könne. Und Müller wiederum solle – Diplomatie trifft Sachverstand – den verfassungsrechtlichen Kompass beisteuern. Der Medienrat, gegründet mit dem Inkrafttreten des neuen Medienstaatsvertrags Ende 2025, bleibt ein selten sichtbares, aber bedeutsames Korrektiv: Er prüft alle zwei Jahre, wie ARD, ZDF und Deutschlandradio ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen und ob Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung im Zusammenspiel gelingen. Grundlage sind wissenschaftliche Standards – die berühmte Objektivität der Prüfer, ergänzt durch menschliche Erfahrung. Die Ergebnisse fließen in den sogenannten Auftragsbericht, dessen Zukunftsorientierung durchaus auch mal an einen Werkstattbericht erinnert. Die GVK ist in dieser Gleichung nicht nur ein organisatorisches Scharnier, sondern auch fürs große Ganze zuständig – etwa, um Themen zu bündeln oder ihre Mitgliedsgremien bei Berichten zu unterstützen. Erst durch solche komplexen Strukturen wird klar, wie aufwendig und umstritten Selbstkontrolle sein kann. Mit Wappler und Müller, deren Profile kaum gegensätzlicher sein könnten – eine Medienfrau mit internationalem Spirit, ein Jurist mit Regierungserfahrung –, wächst dem Rat eine neue Tiefe zu. Neben ihnen gehören auch Annika Sehl, Jeanette Hofmann, Anne Bartsch und Boris Kühnle zum Team. Wer wissen will, wie Kontrolle in der Anstalt von innen aussieht, kommt an diesem Gremium nicht vorbei. Wappler, Jahrgang 1968 aus St. Gallen, prägte als SRF-Direktorin die Medienlandschaft der Schweiz und saß auch im Chefsessel bei MDR und SRG SSR. Müller, ein Polit-Urgestein von 1955, kennt das Recht rund um die Rundfunklandschaft bis in die Fußnoten – und stand schon als Ministerpräsident und als Richter am höchsten deutschen Gericht zwischen Gesetz und Gesellschaft. Beide bringen, so scheint es, jeweils Weitblick und Erfahrungsdichte ins Spiel, wie sie kaum formaler klingen könnten. Die GVK selbst besteht aus Vertreter:innen der Rundfunk- und Verwaltungsräte aller Landesrundfunkanstalten und der Deutschen Welle. Sie überwacht, berät und verschränkt damit die vielen Zahnrädchen öffentlich-rechtlicher Medienarbeit – oft hinter den Kulissen, doch immer mit Wirkung.

Die Aufnahme von Wappler und Müller in den Medienrat spiegelt die gestiegenen Anforderungen an die Vielfalt und Kompetenz in der Aufsicht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wider. Hinter dem Medienrat steht eine auf vielfältige Expertise und neutrale Evaluation ausgelegte Struktur, die mit dem neuen Medienstaatsvertrag nochmals an Bedeutung gewinnt. Jüngste Debatten in der Medienlandschaft – von Finanzierungsfragen bis zu Diskussionsbeiträgen zur gesellschaftlichen Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – setzen die Gremien unter hohen Erwartungsdruck, etwa beim Umgang mit politischen Einflussnahmen oder Diversität der Angebote. Laut aktuellen Artikeln gibt es zudem Diskussionen um die künftige Finanzierung und die Frage, welche Inhalte öffentlich-rechtliche Sender auf digitalen Plattformen anbieten dürfen. Die EU-weite Entwicklung der Medienregulierung und der medienethische Diskurs spiegeln sich dabei in der deutschen Struktur wider – insbesondere in Bezug auf Transparenz, Beteiligung und die Kontrolle von Informationsangeboten im demokratischen Raum.

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