WM-Boykott wegen Grönland-Streit: Forderungen aus Deutschland nehmen zu

Nach den jüngsten Plänen der USA, neue Zölle gegen EU-Staaten zu verhängen, wachsen in deutschen Politik- und Wirtschafts-Kreisen die Stimmen, die einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika ins Spiel bringen.

19.01.26 17:10 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal fühlt man sich fast schon, als würde Politik in eine Theaterszene kippen: Da droht die US-Regierung nach Militäraktionen rund um Grönland mit zusätzlichen Zöllen – ausgerechnet auf ihre europäischen Partner. Sebastian Roloff, SPD, bringt im Gespräch mit dem 'Handelsblatt' einen recht drastischen Gegenschlag ins Spiel: 'Vielleicht sollten wir den WM-Start in den USA, Kanada und Mexiko aus europäischer Sicht aussetzen – zumal Regulierungsschritte gegen US-Internetriesen oft nur langsam greifen.' Auch Lucas Guttenberg von der Bertelsmann-Stiftung hält den Vorschlag eines sportlichen Boykotts nicht für abwegig. 'Gerade für Trump – er liebt das Spektakel – wäre ein Ausbleiben der europäischen Stars bei der WM ein echter Affront', sagt er und sieht darin einen wirkungsvollen Hebel, der den Konflikt auf eine Bühne bringt, die für Trump wichtig ist: die große Show. Interessant ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis: Europa müsste sportlich wenig opfern, für die USA jedoch wäre der Imageschaden enorm. Überraschend offen benennt Guttenberg Trumps Verletzbarkeit: 'Ein Boykott trifft ihn vor allem im Stolz, fast mehr als ökonomisch.' Roloff ergänzt fast kopfschüttelnd: 'Wenn Zölle als Druckmittel bei Territorialstreits genutzt werden, verlässt das den Rahmen fairer Zusammenarbeit.' So dramatisch die Debatte klingt – ganz so abwegig scheint sie für viele wohl nicht mehr.

Im Fokus stehen wachsende Rufe nach einem europäischen Boykott der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko als Antwort auf US-Zölle im Zuge des Grönland-Konflikts. SPD-Politiker Roloff und Ökonom Guttenberg verweisen auf die geringe wirtschaftliche Belastung für Europa und betonen die enorme symbolische Wirkung eines Boykotts auf Trumps Image. Aktuell berichten internationale Medien verstärkt über das angespannte transatlantische Klima; die US-Zollpolitik sorgt für Unruhe und verbreitete Skepsis gegenüber Washingtons diplomatischem Kurs, wobei Stimmen für ein couragierteres, gemeinsames Auftreten Europas immer lauter werden. Die jüngsten Medienanalysen zeigen zudem, dass ein sportlicher Boykott als Instrument für politische Machtdemonstration an Bedeutung gewinnt; selbst in Fußballkreisen wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen, solche Maßnahmen zumindest als Drohkulisse einzusetzen. Während die US-Administration nach wie vor versucht, Druck auf Europa auszuüben, wächst der Rückhalt für härtere Gegenmaßnahmen nicht nur in Deutschlands Parteienlandschaft, sondern auch im europäischen Ausland. Allerdings weisen sowohl taz als auch die Süddeutsche darauf hin, dass ein tatsächlicher WM-Boykott schwer durchzusetzen wäre und auch innerhalb Europas kontrovers diskutiert wird – die Debatte illustriert jedoch den wachsenden Wunsch nach selbstbewussterer EU-Außenpolitik.

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