Volksnahe Debatten im Hambacher Schloss: Am Abend des 22. Juni 2026, pünktlich um 19 Uhr, treffen am alten Symbol europäischer Freiheit prominente Köpfe aufeinander. Gastgeber Michel Friedman, stets meinungsstark, begrüßt Thüringens Innenminister Georg Maier, die unbequeme Journalistin Julia Ruhs sowie Andreas Zick, der in den Abgründen gesellschaftlicher Konflikte forscht. Das Thema zieht sich wie ein unruhiges Summen durch das Land: Angst, Kontrollverlust, ein schleichendes Gefühl, dass Ordnung abhandenkommt. Merkwürdig – die statistischen Zahlen zeigen: Kriminalität und Zuwanderung sinken, und trotzdem wächst der Ruf nach autoritärer Härte. Kommt Ihnen das auch seltsam vor?
Spannend – das eigentliche Pulverfass: Gewalt gegen den Staat selbst, gegen Polizei, Feuerwehrleute, Bahnmitarbeiter. Der Bielefelder Experte Zick beobachtet mit Sorge, wie diese Haltungen keine Randnotiz von Extremen mehr sind, sondern längst bei den vielzitierten "ganz normalen Leuten" Fuß gefasst haben. Seine Studien blättern soziale Spiegelbilder auf – plötzlich steht die sogenannte gesellschaftliche Mitte da, wo gestern noch der Rand war. Eine Irritation, die nachdenklich macht.
Doch es ist nicht nur Bedrohung, die die Gemüter erregt. Im Rahmen der Südwestdeutschen Medientage stellt sich das Podium einer anderen Frage: Wer hält eigentlich die Leitplanken unserer Werte zusammen? Journalisten, die über Gewalt berichten, Politiker, die neue Gesetze fordern, Bürgerinnen und Bürger im täglichen Ausnahmezustand? Wenn Misstrauen wächst und der Glaube an die rechtsstaatlichen Institutionen bröckelt, kippt mitunter auch die Debatte zu Recht und Ordnung ins Rigorose. Und ganz unter uns: Wer will schon in einem Land leben, in dem jeder selbst zum Sheriff wird?
Die Gäste bringen politische Erfahrung, analytischen Scharfsinn und einen Hang zu unbequemen Wahrheiten zusammen. Nicht alles wird harmonisch verlaufen – und genau das macht diese Runde sehenswert. Live dabei? Anmeldung per Mail an demokratieforum@hambacher-schloss.de genügt. Fürs Publikum gibt’s Freitickets, die Türen öffnen ab halb sieben. Wer es lieber entspannt im Lieblingssessel schaut: Ab dem 25. Juni wandert das Gespräch in die ARD Mediathek, hörbar bei ARD Sounds, später dann im SWR. Mehr Infos auf der SWR-Webseite.
Pressekontakt: Lisa Gerhardt, Tel. 07221 929 22453, lisa.gerhardt@SWR.de
Die SWR-Diskussionsveranstaltung auf dem Hambacher Schloss rückt ein zentrales gesellschaftliches Unbehagen in den Vordergrund: Trotz sinkender Kriminalitätszahlen fühlen sich Teile der Bevölkerung immer unsicherer und geben der Sehnsucht nach mehr Kontrolle starken Auftrieb. Gewaltakte gegen Vertreter staatlicher Institutionen nehmen zwar zahlenmäßig zu, doch das Bild wird durch die wachsende Akzeptanz von Übergriffen auch aus der gesellschaftlichen Mitte erschreckend komplex. Spannend daran ist, dass nicht nur politische, sondern auch kulturelle Faktoren wie gefühlte Ohnmacht, ständige Krisenmeldungen und soziale Medien das subjektive Angstniveau massiv anheizen, wie neue Auswertungen des Kriminalitätsatlas des BKA und eine Erhebung des „Deutschlandtrends“ im Juni 2024 belegen. In aktuellen Feuilletons – etwa bei ZEIT und FAZ – finden sich zunehmend Analysen, die kritisch hinterfragen, ob der Drang nach immer ‚härterer‘ Ordnungsliebe am Schluss nicht mehr spaltet als eint. Die Diskussion bleibt dabei keineswegs akademisch: Von der Instrumentalisierung gesellschaftlicher Unsicherheiten durch politische Akteure bis hin zur Debatte um Meinungsfreiheit und Zivilcourage in Zeiten von Hass im Netz – das Thema ist hochaktuell und betrifft alle Altersgruppen.