Als ich las, wie Donald Trump wieder einmal die europäischen Truppen im Afghanistan-Einsatz abkanzelte, musste ich erst mal tief durchatmen. Pistorius' Reaktion ließ zum Glück nicht lange auf sich warten: 'Unsere Bundeswehr war sofort zur Stelle, als die USA nach dem 11. September um eine Allianz baten', betonte er in der BILD. Die Dankbarkeit für den Mut und die Professionalität der Soldatinnen und Soldaten wurde von ihm ebenso unmissverständlich ausgesprochen wie die Erinnerung an die realen Opfer – Deutschland hat während des Einsatzes 59 Soldaten und drei Polizisten verloren; viele kämpfen bis heute mit den körperlichen oder seelischen Folgen. Das sind keine bloßen Zahlen – das sind Menschen, Familien, Geschichten, wie Pistorius zwischen den Zeilen zu verstehen gibt. Und auch andere prominente Stimmen wie Söder und Hoppenstedt schlossen sich dem Kurs an: Trump verkürze durch seine Aussagen nicht nur die Realität, er beleidige die Hinterbliebenen und relativiere den Einsatz für Demokratie und Sicherheit. Auffällig daran ist, wie wenig Raum plötzlich Nuancen bekommen, wenn alte Gräben zwischen Amerika und Europa wieder aufgerissen werden. Zwischen Respekt für die eigene Truppe und der Forderung nach mehr europäischer Eigenständigkeit klingt fast so, als wolle man nicht mehr nur mitmarschieren, sondern künftig auch die Richtung vorgeben.
Die Debatte um den Afghanistan-Einsatz und Trumps Kritik entzündet sich erneut an der Frage nach Wert, Solidarität und Verantwortung im transatlantischen Bündnis. Pistorius, wie auch andere maßgebliche Politiker, stellen klar: Deutschlands Beitrag in Afghanistan war bedeutend und forderte einen hohen Tribut. Unabhängig von der US-amerikanischen Außenwahrnehmung bleibt man in Berlin dabei, die Leistungen der Bundeswehr anzuerkennen und deren Opfer nicht dem Zeitgeist oder parteipolitischen Sticheleien zu opfern.
Ergänzend lässt sich sagen: Der Afghanistan-Einsatz wird in Deutschland weiterhin kritisch reflektiert – die Bundeswehr bereitet etwa eine Gedenkstätte für die Gefallenen vor. In der Nato wird verstärkt über die Aufarbeitung gemeinsamer Einsätze sowie über eine stärker eigenständige europäische Sicherheitspolitik nachgedacht. Laut Berichten in der Süddeutschen Zeitung und der Zeit ruft die Diskussion um Trumps Aussagen eine breite Debatte über die künftige Richtung der deutschen Verteidigung und ihre Rolle in der Nato hervor.