Alte Wahlplakate, neue Wirkung: Wie analoge Reklame auch im digitalen Zeitalter überzeugt

Wer glaubt, Plakate hätten im Zeitalter von TikTok und Instagram ausgedient, irrt gewaltig. Klassische Straßenwerbung prägt, laut einer aktuellen Studie, ganz erstaunlich das Gedächtnis der Wählerinnen und Wähler.

heute 11:32 Uhr | 3 mal gelesen

Manche Dinge ändern sich eben doch langsamer, als der digitale Zeitgeist glauben machen möchte. Der neueste Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung, aufgegriffen vom "Redaktionsnetzwerk Deutschland", offenbart: Das Wahlplakat an der Laterne bleibt – auch im Jahr 2025 – einsamer Spitzenreiter der politischen Aufmerksamkeitserzeugung. Kein Scherz: 93 Prozent der Befragten erinnerten sich nach der Bundestagswahl explizit an Plakatwerbung einer Partei. Erst mit beachtlichem Abstand folgten Aktionen im Briefkasten (58 Prozent), Straßenstände (54 Prozent) und dann erst die digitalen Kanäle, also Printanzeigen (47 Prozent) und Social Media (42 Prozent). "Wer etwas von Wahlkampf versteht, setzt weiter auf Kleinpflaster und Kleister", so pointiert Studienautor Jochen Roose gegenüber dem RND. Natürlich, Social Media holt auf – der Sprung in der Wahrnehmung ist im Vergleich zur Wahl 2021 merklich. Überraschenderweise geriet allerdings klassische Briefkasten-Post in der Wahrnehmung leicht ins Hintertreffen. Sonst blieb das Ranking stabil, egal ob es um Plakate, Flyer, Straßenstände oder Online-Spots ging. Auffällig: Vor allem die Anhänger der siegreichen Partei meldeten öfter, deren Wahlwerbung präsent gesehen zu haben – aber ob das Henne-Ei-Logik ist, darüber könnte man ewig streiten. Die Studie drehte sich ausschließlich um die Wahrnehmung, nicht um tatsächlichen Einfluss auf das Wahlverhalten. Befragt wurden die Leute übrigens telefonisch, wobei 4.001 Stimmen zwischen Ende Februar und Mitte April 2025 zufällig ausgewählt wurden – telefonisch, nicht per App, wie es so schön altmodisch klingt.

Wahlplakate beeinflussen auch im medialen Überfluss noch die Wahrnehmung der Wählerinnen und Wähler deutlich stärker als Onlinewerbung. Social Media und klassische Printanzeigen gewinnen zwar leicht an Einfluss, aber die Plakate an Straßen und Kreuzungen bleiben laut KAS-Studie der erfolgversprechendste Weg, Menschen politisch zu erreichen. Interessant ist, dass die wahrgenommene Sichtbarkeit weniger über die Medienart als vielmehr über die eigene parteipolitische Nähe verstärkt wird – fast, als würde selektive Aufmerksamkeit schon vor dem Wahltag entscheiden. Ergänzend zeigen aktuelle Diskussionen in deutschen Medien, dass vielerorts auch über Sinn und Kosten der Plakatflut gestritten wird; so diskutieren etwa Großstädte und kleinere Kommunen, ob sie die Flächen und Dauer für Wahlplakate einschränken wollen, weil zu viele Plakate nicht nur für politische Transparenz, sondern für Ärger sorgen. Überdies wird vermehrt auf die ökologischen Folgen von Wahlwerbematerial hingewiesen. Die Zeitung "Die Zeit" etwa berichtete jüngst über neue Ansätze, Wahlkampf nachhaltiger zu gestalten und innovative digitale Strategien mit klassischer Sichtbarkeit zu verbinden.

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