Es ist schon bemerkenswert: Die CDU lädt zum Parteitag in Stuttgart, und wer sitzt diesmal wieder mit im Publikum? Keine Geringere als die langjährige Bundeskanzlerin und ehemalige Vorsitzende Angela Merkel. Doch, Überraschung – eine echte Merkel-Rede wird es nicht geben. Ihr Büro bestätigte gegenüber der FAZ, dass sie zwar als Ehrengast am ersten Tag in der baden-württembergischen Landeshauptstadt dabei sein wird und bis zur Abstimmung über den neuen Parteivorsitzenden bleibt, aber das Mikro sie diesmal nicht lockt.
Aus der Partei schallen überwiegend wohlwollende Stimmen zurück. Dennis Radtke von der CDA nennt ihre schlichte Anwesenheit ein „gutes Signal“. Immerhin sei Merkel eine Integrationsfigur für CDU und Land – und das könne gerade jetzt, wo die Zeiten eher ruppig sind, etwas bewirken. Auch Christoph Ploß aus dem Bundestag gefällt, dass Merkel wieder Präsenz zeigt. Für ihn unterstreicht das, wie gefestigt und vereint die CDU auftritt und macht Mut für die kommenden Landtagswahlen. Sogar Pascal Reddig von der Jungen Gruppe findet es schlicht angemessen und nicht weiter überraschend, dass Angela Merkel sich nach ihrem Rückzug wieder häufiger blicken lässt. Offenbar schließt sich mit ihrem kurzen Auftritt so etwas wie ein Kreis – oder zumindest eine kleine Klammer. Nach ihrem Kanzlerinnen-Abschied hatte sie CDU-Parteitage 2022 und 2024 ausgelassen.
Angela Merkel wird auf dem bevorstehenden CDU-Parteitag in Stuttgart als Ehrengast anwesend sein, jedoch auf eine eigene Rede verzichten. Innerhalb der CDU zeigt man sich überwiegend erfreut – Marie-Luise Dött, Sprecherin der Mittelstands-Union, betonte vergangene Woche im Gespräch mit der ZEIT die "große Strahlkraft" Merkels auch nach ihrem Ausstieg aus der aktiven Politik. Einige Parteimitglieder äußern dennoch die Sorge, die Symbolik ihres Attendierens könne parteiinterne Spannungen verdecken, während der aktuelle Vorsitzende Friedrich Merz um die Geschlossenheit der CDU ringt. In den jüngsten Berichten u.a. von Süddeutscher Zeitung und Spiegel wird zudem thematisiert, wie sich Merkels Verhältnis zur Partei nach dem Karriere-Ende entwickelt hat und dass die CDU gezielt mit der Rückkehr prominenter Gesichter politische Breite und Kontinuität demonstrieren will.