Apotheken im Zentrum: Forderung nach mehr Mitsprache bei Arzneimittelversorgung – Eindrücke vom pharmacon Meran

Im südtiroler Meran fordern Apothekerinnen und Apotheker eine tragende Rolle in gesundheitspolitischen Fragen rund um die Arzneimittelversorgung. Bei der Tagung pharmacon wurde leidenschaftlich diskutiert: Apotheken sollen nicht als Randnotiz, sondern als elementarer Baustein im Versorgungssystem gesehen werden. "Ohne uns bricht die Kette", stellt Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer, klar.

heute 08:32 Uhr | 4 mal gelesen

Wie viel Verantwortung kommt Apotheken heute und morgen eigentlich zu? Genau das hat beim pharmacon Meran, einer Fachkonferenz für Pharmazie, die Gemüter erhitzt. Dr. Armin Hoffmann von der Bundesapothekerkammer (BAK) brachte es eindrücklich auf den Punkt: Apotheken sind nicht nur die "letzte Meile" der Medikamentenverteilung. Sie sind täglicher Knotenpunkt: Ärztliche Infos, Pflegerückmeldungen, die Sorgen der Patientinnen und Patienten – alles landet irgendwann in der Offizin. Wer nah an echten Versorgungsproblemen ist, sollte auch bei Lösungen mitreden dürfen. Die BAK verlangt deshalb klarere Verantwortlichkeiten in der Arzneimitteltherapie und ein ordentliches Maß an Mitspracherecht, wenn es um neue Qualitätsstandards geht. Franziska Scharpf, stellvertretende BAK-Präsidentin, verwies auf ein besonders aktuelles Thema: Künftig sollen Apothekenteams in bestimmten Fällen selbst rezeptpflichtige Medikamente abgeben können, ohne dass vorher ein ärztliches Rezept ausgestellt werden muss. Das, so Scharpf, entlaste Notaufnahmen und komme direkt den Patientinnen und Patienten zugute – vorausgesetzt, es gibt durchdachte Abstimmungen zwischen den Gesundheitsberufen. Noch ist hierfür einiges zu regeln, etwa über das kommende ApoVWG. Wer sich näher informieren will: www.abda.de. Medienkontakt? Siehe oben.

Beim pharmacon-Kongress in Meran machen deutsche Apotheken auf ihre Rolle in der Arzneimittelversorgung aufmerksam und fordern mehr Mitsprache bei gesundheitspolitischen Strukturentscheidungen. Zentral ist der Plan, Apotheken mehr Verantwortung bei der Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente zu übertragen, um Versorgungslücken insbesondere in der Notfall- und Akutversorgung zu schließen – was auch in aktuellen Gesetzesentwürfen wie dem ApoVWG verankert werden soll. Zeitgleich steigen laut Branchenberichten die Sorgen über Lieferengpässe und die Zukunft der Apothekenstandorte: Laut einer aktuellen Umfrage der ABDA sehen sich mehr als 70 Prozent der befragten Apothekeninhaber durch bürokratische Last und wirtschaftlichen Druck in ihrer Existenz gefährdet. Verschärft wird das Ganze durch eine Zunahme von Medikamentenknappheiten – allein im Mai 2024 meldete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte über 460 Lieferengpässe. Zusätzlich wurde im aktuellen pharmacon-Kongress betont, wie wichtig die Digitalisierung für die Apothekenzukunft ist: Elektronische Rezepte und digitale Versorgungsstrukturen entwickeln sich stetig weiter, treffen aber vielerorts noch auf technische Hürden und Unsicherheiten in punkto Datenschutz.

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