Kulturgüter: Das klingt zunächst nach Geschichte, nach Staub – doch tatsächlich hängen Identität und kollektive Erinnerung daran. So drückt es Nadine Thiel vom VDR aus: "Es reicht nicht, das Thema als Spezialinteresse abzutun – es betrifft uns alle." Zwar gibt es nationale wie internationale Vorgaben, etwa durch die Haager Konvention, aber Papier allein schützt kaum eine Statue vor Feuer oder Granatsplittern. Die jüngsten Bilder aus Europa, aus der Ukraine, sind Mahnung genug: Materielle Grundlage reicht nicht, Praxis muss her – genauso wie klare Zuständigkeiten und regelmäßig trainierte Abläufe. Auch Dirk Aschenbrenner von der vfdb sieht institutionellen Nachholbedarf: Echte Resilienz bedeute, Verantwortlichkeiten und Kompetenzen zu bündeln, von der Feuerwehr bis zum Museum, von der Ausbildung bis hin zur Einsatzvorbereitung. Feuer, Flut, marode Technik – die Liste heutiger Risiken ist lang, doch die institutionelle Anbindung des Kulturgutschutzes bleibt in Deutschland schwach. VDR und vfdb fordern daher mehr als Worthülsen: Es braucht konkrete Gesetzesänderungen und unverrückbare Verankerungen im Alltag von Katastrophen- und Zivilsschutz. Das eigentliche Dilemma beginnt schon vor dem Ernstfall – nämlich dort, wo keine Sensibilität und keine Vernetzung existiert. Nur durch bereichsübergreifende Zusammenarbeit lässt sich im Notfall wirklich etwas bewahren, meint auch Thiel. Die beiden Organisationen wollen deshalb nicht bei Appellen bleiben, sondern ihren Schulterschluss sogar noch intensivieren – und den öffentlichen Diskurs engagiert anfachen.
Kulturgutschutz in Deutschland ist lückenhaft und nach Ansicht von VDR und vfdb längst nicht genug im System von Katastrophenabwehr und Krisenmanagement verankert. Sie pochen auf gesetzlich verpflichtende Einbindung und fordern bessere Ausbildung, Ausstattung und Kooperation – gerade angesichts der erschütternden Verluste kultureller Objekte in aktuellen Krisengebieten wie der Ukraine. Ohne einmischende Politik und Verstetigung der Zusammenarbeit zwischen Kultureinrichtungen und Gefahrenabwehr bleibt das kulturelle Erbe akut gefährdet.
Jüngste Debatten in politischen und kulturellen Kreisen in Deutschland unterstreichen diese Forderungen: Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse, digitaler Gefahren und geopolitischer Spannungen verlangen Fachleute aller Sparten tiefgreifendere Reformen für Museen, Archive und Denkmalschutz. Dabei steht besonders die Finanzierung von Präventionsmaßnahmen sowie die flächendeckende Sensibilisierung der Bevölkerung im Fokus. Beispiele aus anderen Ländern – etwa Italien, wo spezialisierte Carabinieri-Kulturgut-Einheiten tätig sind – zeigen, dass konsequenter Kulturgutschutz auch präventiv und nicht nur reaktiv funktionieren kann.