Um ehrlich zu sein, der Tonfall in der CDU-Debatte kratzt an meinen Nerven. Dennis Radtke hat da jüngst auf T-Online kein Blatt vor den Mund genommen, und ich kann's nachvollziehen: Überall flattern Einzelvorschläge herum – mal geht’s um Teilzeit-Lebensstil und dann wieder um Zahnarztgebühren, aber dahinter steckt kein ordentlicher Gesamtplan. Für die Leute draußen – und da zähle ich mich irgendwie dazu – wirkt das, als würde am Ende immer nur bei den Arbeitnehmern gespart. Das Beispiel mit den Sozialreformen zeigt ja: Die betreffen fast alle. Und trotzdem lässt die CDU zu, dass der Eindruck entsteht, die Partei schiebt alles dem kleinen Mann unter. Da hilft keine Kommissionsschieberei, meint Radtke, sondern ein ehrliches, großes Reformpaket, hinter dem alle stehen. Nebenbei: Wenn man so weitermacht, fängt die SPD doch bald wieder die Rolle des "Beschäftigten-Anwalts" ein. Die CDU sollte, so Radtke, ihr Selbstverständnis als Volkspartei mal selbst ernst nehmen, und nicht immer nur den Wirtschaftsflügel bedienen. Vielleicht braucht es manchmal eben weniger Einzelmeinungen, dafür mehr Mut zum großen Ganzen.
Radtke spricht aus, was viele bemerken: Die CDU wirkt momentan wie ein Sammler verstreuter Ideen, die kaum jemand zusammensetzt. Er kritisiert, dass die Arbeitsnehmerpolitik stiefmütterlich behandelt wird – ein Fehler, der vielleicht die nächsten Wahlen kosten könnte, wirft einen Blick in Richtung SPD, die sich in dieser Rolle oft wohler fühlt. Dazu kommt aktuell: Laut Zeit.de steht auch bei der CDU-Führung die Frage im Raum, wie eine moderne Sozialpolitik aussehen kann – und Radtke fordert nun, die Partei müsse wieder deutlicher zeigen, wen sie alles vertreten will. Auffällig ist, dass die Partei damit ringt, ihr Profil zu schärfen und einer gewissen Zerrissenheit Herr zu werden – nicht nur unter Arbeitnehmern, sondern auch in der öffentlichen Wahrnehmung.