Angesichts der beunruhigenden Gift-Funde bei Alexej Nawalny reagiert Johann Wadepuhl empört – es falle schwer, das anders als vorsätzlichen Mord im staatlichen Auftrag zu deuten. Die schonungslose Vorgehensweise Russlands dränge sich in vielen Bereichen auf: in der Ukraine, bei Angriffen auf Zivilisten, nun auch mit dem Tod eines der wichtigsten Oppositionspolitiker des Landes. Moral oder Rechtsstaat? Offenbar keine Kategorien, die für den Kreml zählen. Wadepuhl plädiert dafür, allen Details nachzugehen und betont die Bedeutung der Offenlegung – auch, wenn Jahre vergangen sind. "Das hat Folgen", mahnt er. Immerhin beschäftige sich nicht irgendeine Organisation mit solchen Vorwürfen, sondern die OPCW, die weltweit für das Chemiewaffenverbot zuständig ist. Konsequenzen? Laut Wadepuhl liegt der Ball nun ganz klar bei internationalen Gremien. Zudem müsse die europäische Öffentlichkeit wach bleiben, gerade angesichts der anhaltenden Debatte um diplomatische Kontakte mit Russland. "Redebereitschaft? Ja, aber mit offenen Augen, was für ein Regime da regiert", unterstreicht Wadepuhl.
Der Mordvorwurf gegen das russische Regime im Zusammenhang mit Alexej Nawalnys Tod erhält durch den Giftbefund Rückenwind. Wadepuhl will den Fall an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) weiterleiten und fordert internationale Konsequenzen. In europäischen Medien wird ebenfalls erneut die Frage diskutiert, wie Gespräche mit Russland unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch möglich sein können. Bereits zuvor hatten US-amerikanische und europäische Untersuchungen den Einsatz von Nervengift in Nawalnys Fall bestätigt. Die Internationale Gemeinschaft steht erneut vor der Herausforderung, Sanktionspakete nachzuschärfen. Währenddessen äußern sich auch Nawalnys Angehörige kritisch zur bisherigen internationalen Reaktion und fordern weitere Aufklärung und politische Antworten.